Ohne Titel
     von Dominique Kauert 
     

     
    Soll ich Dir mal eine Geschichte erzählen? Sie mag Dir unglaublich vorkommen, aber so ist es wirklich passiert:   

    Es war einmal ein Priester, der lebte in der Stadt seiner Träume, nämlich in Florenz. Als kleiner Junge hatte er mit seinen Eltern eine Reise in die Toskana gemacht. Er war damals erst 5 oder 6 Jahre alt gewesen, konnte sich an die Einzelheiten auch nicht mehr erinnern. Aber irgendetwas hatte ihn so fasziniert, daß er sein ganzes Leben davon geträumt hatte, nach Florenz ziehen zu können. Jetzt endlich, mit fast 50 Jahren, hatte sich diese Sehnsucht erfüllt. Der Papst hatte ihn nach Italien beordert, er hatte als Wunsch Florenz, die Königin der Toskana angegeben. Und es hatte geklappt. Vielleicht lag es an den Gebeten, vielleicht war es aber auch einfach nur Zufall, wer konnte das schon wissen...?!   

    Nun war er hier, die ersten Tage war er einfach nur durch die Stadt gestreift, hatte sich Museumsbesuche gegönnt - auch wenn er die ganzen Heiligenscheine in den Uffizien hinterher fast nicht mehr sehen konnte. Dagegen konnte er stundenlang in der Medici-Kapelle sitzen und die Sinnlichkeit der Michelangelo-Skulpturen bestaunen; der Künstler hatte es verstanden, dem kalten Marmor Leben einzuhauchen. Die üppigen Frauengestalten, die Männerkörper, so gebändigt und doch so verführerisch.   

    Meistens hatte er der Lust widerstehen können, nicht immer, doch dann war es nicht nur Sex gewesen, sondern Liebe. Gegenseitige Liebe, die sich aber irgendwann aufgrund der fast unmenschlichen Regeln der katholischen Kirche nicht mehr frei und unbeschwert leben ließ. Das machte ihm aber weniger Sorgen. Vielmehr trieb ihn die Gier nach etwas Anderem, nach etwas, was er in Florenz noch nicht gefunden hatte.   

    Schon nach ein paar Tagen waren seine Vorräte aufgebraucht gewesen, jetzt war er schon fast 2 Wochen ohne Nachschub. In Deutschland hatte er keinen, der ihm etwas schicken konnte, außerdem wäre das Porto wohl unverhältnismäßig teuer geworden. Was sollte er machen? Allen anderen Lüsten konnte er widersagen wenn es denn unbedingt sein mußte, aber nach dieser Sache war er fast süchtig. Was also tun?   

    Er durchwanderte alle Geschäfte der Stadt, fragte in großen Kaufhäusern, in Supermärkten, in kleinen Tante-Emma-Läden, ja sogar in Hotels und Restaurants hatte  
    er nachgefragt. Fast niemand konnte mit seinem Wunsch etwas anfangen, vielmehr schauten ihn die Leute fragend an, wußten wahrscheinlich nicht einmal, was er meinte.   

    Lange würde er es nicht mehr aushalten, was nun???   

    So, jetzt habe ich Dir die Geschichte erzählt. Du denkst wahrscheinlich, es geht dem Priester um Frauen, um Pornos, oder sonst etwas Erotisches, habe ich recht? Ich bin mir sicher, daß Du nie darauf kommen wirst, was er so verzweifelt gesucht hat. Es waren nämlich schlichte Gummibärchen, die es hier an jeder Ecke zu kaufen gibt.   

    Was sagst Du nun? Ich bin mir fast 100%ig sicher, daß Du sagen wirst:   
    "Sowas hätte ich nie gedacht!"  .