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| Mit Schimpf und Schande wurde ich davon gejagt. Das hatte ich also davon, wenn ich es gut meinte. Ich mischte mich ein, denn ich war ausersehen zur Intervention, und prompt tappte ich ins Fettnäpfchen. „Laß das mal meine Sache sein“, schrie es mir hinterher, „und kümmere dich um deine eigene Nasenspitze“. Das Selbstwertgefühl war bis ins Mark erschüttert und geknickt. „So eine Unverschämtheit, diese Arroganz“, hörte ich es noch grollen, als ich mich längst schon entfernt hatte. Mir konnte das nichts anhaben. Ich verfolgte unermüdlich und unerschrocken meine Aufgabe, an der es nichts zu zweifeln gab. Die Welt war angewiesen auf mich, auf mein altruistisches, dienendes Wesen. Aber sie war höchst undankbar, diese Welt. Nur selten konnte ich Beziehungen zwischen Erwachsenen ändern, bessern, retten. Allein Kinder machte ich zuweilen glücklich, denn ich verhinderte manchen Sturz und manche Beule. In solchen Momenten wuchsen mir die Flügel eines Schutzengels. Leider ließen sich die meisten Menschen nicht gerne unter meine Fittiche nehmen. Sie charakterisierten mich mit blühender Phantasie. „Du falscher, selbstgefälliger Lockvogel“, maulten sie, wenn ich mich ihnen näherte, oder sie warfen mir Hausfriedensbruch vor. Es kam vor, daß ich mich für längere Zeit bei ein und derselben Person aufhalten mußte. Nein, nicht, daß sie mich darum gebeten hätte, ich war stets wachsam und kam immer unaufgefordert zuhilfe. Ich zeichnete mich durch meine Geduld und Treue aus, durch meine Immunität und Stabilität. Doch je mehr ich in meinem Element glänzte, umso ärger wurde die Konfrontation mit meinen Feinden, umso härter der Kampf, den mir Stolz und Eitelkeit, Selbstachtung und Souveränität ansagten. Wie sollten wir denn die Fronten klären, wenn sie meine Uneigennützigkeit, meine Gewissenhaftigkeit nicht anerkannten?! Ich, ein Schmarotzer, der sich ins Leben anderer schlich, um es zu zerstören? Welch ein grausames Mißverständnis! Aber dazu war ich nun mal prädestiniert. „Hinter deiner lächelnden Stirn verbirgst du Projektionen, absurde Sorgen und verkappte Neurosen“, sagte mir eines tages die dreiundvierzigjährige Autonomie in kühnem, sehr berechnendem Ton. Und dabei funkelte sie mich böse an. Zum ersten Mal fühlte ich mich getroffen. Dieser renitente Ton schüchterte mich tatsächlich ein. „Ich habe einen Auftrag, eine Sendung!“, stotterte ich nervös und trat verwirrt den Rückzug an. Dabei straffte ich demonstrativ energisch die Schultern. Von einer Provokation ließ ich mich doch nicht ins Bockshorn jagen! Gleichwohl tat nun Beratung not, bevor ein falscher Schritt zur Stärkung meines moralischen Rückgrats etwas verderben konnte. Ich berief also eine Konferenz ins Leben, zu der ich alle meine Brüder und Schwestern einlud. Um mein Gesicht zu wahren, um glaubwürdig zu bleiben und um meinen Nachkommen ein bestmögliches Erbe zu hinterlassen, muß ich nun folgendes gestehen: Wir konferieren bereits sieben Jahre lang und forschen fieberhaft nach unseren Stammvätern, ohne sie bisher gefunden zu haben. Denn in einem sind wir uns alle einig: sie alleine sind verantwortlich für unser Schicksal! |