Hans im Glück oder im Bonheur -  Mai 2003
      von Karl Otto Mühl

    Dieser kurze Bericht über meinen Freund Hans soll belegen, daß nicht nur Optimismus, nicht nur positives Denken, strahlendes Lächeln und selbstbewusstes Auftreten die Prinzipien sind, mit denen man Erfolg erringt. Der Erfolg kann auch aus einem resignierten Lächeln, einem krummen Rücken und aus einem stinkenden Hühnerstall aufsteigen wie die Glücksgöttin, die es ja auch heute noch gibt. Bei Hans hatte die Göttin jedenfalls ihre Hand im Spiel.

    Die Geschichte von Hans ist wirklich so verlaufen wie sie hier geschildert wird; nicht in grauer Vorzeit, sondern vor vielleicht fünfzig Jahren. Daß sie wahr ist, kann ich bezeugen, denn Hans, der junge Bergmann in dieser Geschichte, ist mein Freund, der mich jedes Jahr zur Apfelernte, Birnenernte, zur Erdbeerernte, zur Himbeerernte, zur Pflaumenernte und zur Kirschenernte einlädt. Das ist auch der Grund, warum ich das ganze Jahr über in Eile bin. Andauernd fahre ich hin zu Hans und wieder zurück nach Hause. Wenn ich dann von seinem Anwesen zu mir nach Hause komme, haben meine Frau und ich manchen Tag bis spät in die Nacht zu tun, um die köstlichen Früchte einzukochen, die er mir mitgegeben hat. Einen Teil davon legen wir in Alkohol, denn dann halten sie sich länger, und es wäre ja schade, wenn etwas von der Ernte verdürbe, zumal Hans´ Früchte fast doppelt so groß sind wie die, die man auf dem Markt kaufen kann. Ein weiterer Grund für das Einlegen in Alkohol ist auch, daß sie dann unserem Großvater am besten schmecken.

    Wenn ich bei Hans ankomme - und das heißt in Frankreich, in der Nähe von Somain -, gehe ich zunächst in seinen Garten und sehe nach, wie groß die Früchte sind. Hans drängt mich immer mehr mitzunehmen als in meine Körbe paßt, er hat schon Extrakörbe bereitgestellt. Er müsse ja froh sein, wenn ihm jemand das Zeug abnehme, sagt er. Er in seiner Dummheit habe ja viel zu viel angepflanzt.

    So gut wie jetzt ging es Hans nicht immer. Damals, vor fünfzig Jahren also, kam er aus dem Krieg zurück in einen Ort, der Marais-des-Onze-Villes heißt. Woher der Name kommt, kann man erraten. Wahrscheinlich gab es elf kleinere Ortschaften hier, und Sumpf und Moor gab es ebenfalls.

    Er mußte als Kriegsgefangener in einem Bergwerk arbeiten, das nahe bei Lille lag. Das war die schlimmste Zeit in seinem Leben: Harte Behandlung, Hasserfüllte Blicke, kärgliches Essen. Aber nach einem Jahr wurden sie aus der Gefangenschaft entlassen, aber Hans arbeitete weiter im Bergwerk. Er blieb. So einer wie ich wird es nirgendwo besser haben, sagte er sich.

    Hans sagte immer zu sich und allen, die um ihn waren, daß es wohl auch so bleiben werde. Er sei unbegabt, ungeschickt und unwissend. Er habe nichts und werde es zu nichts bringen. Das sei auch nicht weiter schlimm, auf ihn komme es schließlich nicht an.

    Seine Mundwinkel hingen traurig herab. Manchmal lächelte er auch traurig.

    Natürlich kannte er auch einige Freuden, wenngleich er dies niemandem sagte: Er freute sich an der Stille abends und an der Kühle auf seiner Stirn, wenn er frühmorgens durch den menschenleeren Ort zur Arbeit ging; er freute sich, wenn er nachmittags nach der Arbeit ein Glas kühle Milch trinken konnte. Und am Abend freute er sich auf das Schlafen.

    Trotzdem sagte er bei jeder Gelegenheit:" Ich werde es nicht weit bringen. Und ein Mädchen wird mich schon gar nicht haben wollen. Dieses trübsinnige Gesicht von mir! Und mein komischer, schlenkernder Gang!"

    Nachts schlief er in einer Baracke mit zwanzig anderen jungen Bergleuten. Zwei dicke blonde Frauen, die bei der Kohlenzeche angestellt waren, kochten Essen für die jungen Bergleute, das immer sehr herzhaft und würzig schmeckte. Es war eine schlechte Zeit nach dem Kriege, aber Bergleute bekamen kräftiges Essen.

    Hans war zwar nicht mit sich, dafür aber mit seinem Leben zufrieden. Er mußte so hart arbeiten, und er lebte so armselig, wie er es nach seiner Meinung verdiente. So war alles in Ordnung.

    Da er abends müde und abgearbeitet war, schlief er gut, ging auch früh zu Bett, und brauchte sich vor allen Dingen nicht die Zeit zu vertreiben. Sein einziger Zeitvertreib war, sich sehr sauber zu waschen, oft die Zähne zu putzen und lange die Haare zu kämmen. Er machte sie nass, damit sie ganz glatt auf dem Kopfe lagen und damit er einen schnurgeraden Scheitel ziehen konnte.

    Abends legte sich Hans in sein Bett in der Ecke der Baracke - meistens viel früher als seine Kameraden, die noch in der Wirtschaft waren und Schnaps und Bier tranken -, er fühlte die kühle, wohltuende Bettwäsche, die er bis ans Kinn hochzog. Dann sagte er zu sich: Hans, sei zufrieden. Sei nicht traurig, daß du im Leben nichts erreichst, das hier ist eigentlich das Richtige für dich,

    Sofort ging er dann zu seinem Nachtgebet über und bedankte sich beim lieben Gott für Gesundheit, Essen, gute Freunde, für seine treuen, früh verstorbenen Eltern und für seine Arbeit, alles Dinge, die er ja gar nicht verdient hatte. Besonders bedankte er sich für seine Mutter, die sich viel Sorgen um ihn gemacht hatte. Als er zum Militär kam, hatte sie große Sorgen gehabt, wie Hans morgens rechtzeitig aus dem Bett kommen sollte, denn bisher hatte sie ihn immer geweckt. Und als sie starb, sagte sie: "Mein Gott, wer soll dein Zimmer jetzt sauber halten! Hoffentlich kann ich mich da droben um dich kümmern."

    Hans hatte Gründe, das Nachtgebet gleich zu beginnen. Er hatte nämlich die Gewohnheit, vor dem Einschlafen von einem schönen Mädchen zu träumen, das ihm allerdings wohl nie begegnen würde, das glaubte er zu wissen. Hans war sich nicht sicher, ob es dem lieben Gott recht war, wenn er abends von Mädchen träumte. Auf jeden Fall wollte er es nicht vor dem Nachtgebet tun, denn es konnte ja doch sein, daß Gott solche Phantasien unschicklich fand.

    Manchmal bedankte Hans sich in seinem Nachtgebet auch für seine frische und saubere Kleidung. Diese hielt eine ältere, hutzelige Frau namens Michalski in Ordnung, die nebenan wohnte. Sie wusch, bügelte und nähte für Hans und seine Kameraden. Man sah ihr von vornherein an, daß sie Schmidt hieß.

    Die Waschfrau war sehr fleißig. Wenn Hans ihr die Wäsche brachte, lobte er sie für ihre gute Arbeit. Die Frau freute sich, und ihre Tochter Hanni, die im Hintergrund bügelte, hörte mit gesenktem Kopf zu. Obwohl Hanni ein wunderhübsches Mädchen war - was Hans nie auffiel -, wollte sie nie bemerkt oder bei einem Blick zu Hans ertappt werden. Sie hielt Hans für klug, tatkräftig und fast wohlhabend, denn zumindest hatte er immer mehr Geld als er ausgab. So ein großartiger Mensch würde eine arme Büglerin ohnehin nie beachten. So dachte sie und setzte sich erst gar nicht der Gefahr aus, nicht beachtet zu werden. Vielleicht war das richtig, denn Hans machte sich wirklich keine Gedanken über sie.

    Hanni rechnete damit, ihr Leben lang in dem kleinen weißgekälkten Haus Wäsche zu waschen und zu bügeln. Der Gedanke machte sie nicht traurig, sie wollte ohnehin für ihre Mutter sorgen, wenn diese alt war. Manchmal fügte sie ihrem Nachtgebet doch einen kleinen Nebensatz hinzu, etwa "vielleicht gibt es doch einen guten Mann für mich, lieber Gott; aber das weißt du ja besser als ich; und außerdem müßte er auch noch gut zu meiner Mutter sein".

    Sie war also sehr still. Vielleicht sprach sie so wenig, weil sie die hiesige Sprache noch nicht so gut beherrschte, denn ihre Eltern waren aus Polen gekommen, und in der Familie sprach man noch polnisch miteinander. Der Vater war verstorben, und Mutter und Tochter wohnten nun in dem kleinen, weißgekälkten Haus nahe der Baracke, in der Hans untergebracht war. Man mußte sich bücken, wenn man durch die Türe des Häuschens trat. Es wunderte einen zunächst, daß Mutter und Tochter gleichzeitig in dieses kleine Haus passten, und dazu noch zwei Bügelbretter. Hans hatte sich schon manchmal an den Türpfosten oder am Querbalken über der Türe gestoßen. Er ärgerte sich nicht darüber, denn schließlich war er ungeschickt, und er verdiente nichts anderes, dachte er.

    Es gab bei Frau Michalski nicht viele Möbel, aber herein- und herausschleichende Katzen und manchmal auch ein neugieriges Huhn, das aus dem Garten hereintrippelte und gackernd wieder hinausflatterte.

    Hanni gefiel an Hans besonders das freundlich-traurige Lächeln, das zu sagen schien: Eigentlich wäre alles in Ordnung, wenn es mich nicht gäbe. Bloß ich störe.

    Jeder sollte einmal probieren, wie er ist, wenn er in dieser Weise lächelt. Es ist nämlich unmöglich, dabei ein verbissener und gehetzter Mensch zu sein. Hans war es jedenfalls nicht. Er war ganz ruhig und gelassen. Vielleicht ging ihm darum die Arbeit so rasch von der Hand.

    Eines Abends im Bett, kurz vor dem Einschlafen, sagte er zu seinen Eltern, die, wie schon erwähnt, verstorben und im Himmel waren: Wißt Ihr was? Sorgt doch dafür, daß ich nicht mehr träume. Ich mag nicht mehr von Dingen träumen, die mir nie begegnen werden. Da hörte er die Stimme seines Vaters laut und deutlich: "Dummkopf". Natürlich war Hans sicher, sich verhört zu haben.

    Es war Hans selten passiert, daß sich sein toter Vater äußerte. Er hatte bisher immer nur mit inniger Freundlichkeit vom Himmel herabgesehen, aber nun sprach er sogar. Vor lauter Überraschung vergaß Hans, was der Vater gesagt hatte. Er sah noch das Gesicht der Mutter seitlich hinter dem Vater, ebenfalls freundlich verklärt. Sie fügte hinzu: "Merk dir das." Auch das fand Hans in Ordnung. Was immer er tat, es war etwas Dummes daran. Davon war er überzeugt.

    Immer, wenn Hans an die beiden gedacht und sie sich vorgestellt hatte, waren ihre Gesichter so schön verklärt, wie Hans es sich allein nie hätte ausdenken können. Es mußte schon etwas Himmlisches in diesen Erscheinungen sein.

    Hans schlief zufrieden ein. Es genügte ihm schon, daß die beiden sich gemeldet hatten. Vielleicht würden sie mithilfe ihrer himmlischen Beziehungen auch seinen Wunsch erfüllen können, keine unnützen und hoffnungslosen Träume mehr zu haben.
    .
    Am nächsten Abend geriet Hans wieder einmal in Verwirrung. Er wollte sein bestes blaues Hemd bei Frau Michalski abholen, denn er brauchte es am Abend, weil er zum Skatspielen in der Wirtschaft verabredet war. Abends, als er deswegen bei Frau Michalski war, sagte die:

    "Es wird jetzt schon früh dunkel."

    "Das ist wirklich wahr", sagte Hans.

    " Man kann als Frau nirgendwo hin."

    "Wohin wollen Sie denn?" fragte Hans.

    "Ich nicht", sagte die Frau, "ich will nirgendwo hin. Ich habe viel zu viel Arbeit. Ich bin schon dreiundzwanzig Jahre nicht mehr aus dem Hause gekommen. Aber die Hanni will in den Ort und die Tante Meta besuchen. Wir haben sie schon lange nicht besucht. Vielleicht ist sie krank. Sie war so lange gesund, das wird wohl nicht so bleiben"

    "Das ist schön, daß Sie sich so um die Tante kümmern", sagte Hans höflich. Insgeheim dachte er: Du kannst denen ja nicht deine Begleitung für die Hanni anbieten. Vielleicht ist es ungehörig. Und ihr würde es peinlich sein, mit so einem unbedeutenden Menschen wie dir gesehen zu werden.

    Hans nahm so etwas sehr genau. Er hatte ohnehin schon immer die Sorge gehabt, etwas Unanständiges zu tun, als er nach dem Nachtgebet immer an schöne Mädchen dachte, die er nie treffen würde. Darum ging er jetzt rasch hinaus, ohne an sein blaues Hemd zu denken.

    Vielleicht habe ich doch einen Fehler gemacht, dachte Hans gleich darauf. Diesen Menschen sollte man gefällig sein, wenn sie Hilfe brauchen. Wo sie die Wäsche so liebevoll besorgen.

    Ich hätte die Hanni doch begleiten sollen? Was meint Ihr da oben...? Aber ich habe ja nicht einmal eine Wohnung, geschweige denn ein Haus wie die meisten Leute hier. Ich kann doch kein Mädchen einladen oder begleiten, wenn ich keine Wohnung habe. Es könnte ja immer einmal sein, daß eine beschließt, mich zu heiraten. Ach, und jetzt habe ich noch vergessen, bei Hanni nach meinem blauen Hemd zu fragen! So viele Dummheiten hintereinander wie heute kann nur einer wie ich begehen.

    Ich brauchte mich nur umzudrehen und fragen: "Ist vielleicht mein blaues Hemd schon fertig? Ich würde es gerne mitnehmen. Wir können übrigens zusammen gehen, Hanni Wir haben schließlich den gleichen Weg."

    Aber das tat Hans nicht.


    . * * *

    Am nächsten Tag löste sich bei der Arbeit ein Steinbrocken, stürzte auf Hans und verletzte ihn am Rücken. Er schrie auf, dann verlor er das Bewusstsein.

    Kollegen fanden ihn und brachten ihn nach oben. Er lag einige Wochen im Bergmannshospital, dann wurde er entlassen. Unter Tage konnte er mit seiner Rückenverletzung nicht mehr arbeiten. Er wurde als Maschinist in der Zechenanlage beschäftigt und bekam wegen seiner Verletzung eine kleine Zusatzrente. Eigentlich habe ich die nicht verdient, sagte sich Hans. Andere brauchten viel dringender eine Rente, und schließlich war es dumm genug von mir, an dieser Stelle im Stollen herumzutapsen.

    Zuerst war er ratlos gewesen und hatte gefürchtet, er würde sein Leben lang nicht mehr arbeiten können; und eine Frau, die würde er dann ohnehin nicht finden. Nun konnte er aber doch eine Arbeit tun, sie gefiel ihm, und alle um ihn herum arbeiteten gerne mit ihm zusammen.

    Und dann begann Hans mit etwas ganz Anderem. Etwas ganz Bedeutendes.

    Er begann, mit wahrer Besessenheit an einem eigenen Haus zu bauen. Jeden Abend arbeitete er bis in die Dunkelheit hinein, und nicht weniger arbeitete er an Samstagen und Sonntagen. Seine Rückenschmerzen kümmerten ihn nicht.

    Ich weiß nicht, warum ich so wild arbeite, sagte es manchmal zu sich, aber ich muß es einfach tun. Obwohl es wunderbar wäre, wenn ich statt dessen schlafen könnte.

    Das hatte er schon ausprobiert. Aber immer, wenn er sich vor der Zeit hinlegte, war es, als triebe ihn eine innere Stimme an: Los! Auf. Mach weiter, du fauler Kerl!

    Er wollte ein Haus für sich, wenn er schon sonst niemanden hatte. Manchmal schmerzte ihn seine Verletzung, aber er ließ sich dadurch nicht von seiner Arbeit abhalten. Ich bin nun einmal so dumm, sagte er zu den Leuten, ich muß einfach immer arbeiten.


    Vom Fenster aus konnten Hanni und ihre Mutter beobachten, wie Hans baute. Er fuhr Holz, Steine, Zement, Leitungen und anderes Baumaterial heran. Das kaufte er mit der Rente, die er für seinen Unfall bekam. Jeden Nachmittag ging er zu seiner Baustelle, die zuerst durch einen Bagger ausgeschachtet worden war. Täglich legte Hans Stein auf Stein, er mauerte, zimmerte, klopfte, schraubte, grub, schweißte, er baute in zwei Jahren ein ganzes Haus. Einige wenige Dinge ließ er durch Handwerker erledigen, so das Dach.

    Eines Tages stand da ein Haus, weißleuchtend in der Sonne, breithüftig, groß. Drohend am Garteneingang die beiden Gipslöwen, vielversprechend die vielen Obstbäume und Beerensträucher im Garten, glänzend poliert das Auto in der Garage. Dazu kam ein endlos langer Hühnerstall, in dem Hans Tausende von Hühnern beherbergte, die täglich ihre Eier legten.

    Das ist noch einmal gut ausgegangen, dachte Hans, wenn er an die vergangenen Jahre zurückdachte. Aber ich werde schon irgendwas auf den Kopf bekommen. Auf die Dauer kann so etwas bei einem wie mir ja nicht gut gehen.

    Donnerstags war Markt im Nachbarort. Hans sorgte dafür, daß er an diesem Tag Spätschicht hatte und fuhr vormittags zum Markt, um die Eier zu verkaufen. Die Eier teilte er auf seinem Verkaufstisch ein: links lag ein Teil, und rechts lag der größere Teil. Die Menge rechts verkaufte er zehn Pfennig teurer pro Stück als die Eier links. Beide Sorten waren gleich, es gab eigentlich keinen Unterschied.


    Fast alle Leute kauften aber die teuren Eier, weil sie mit Recht meinten, das Beste sei für sie gerade gut genug. Hans freute sich, daß sie zufrieden waren und er freute sich auch, daß die ärmeren Leute nun doch auch in der Genuss der gleichen guten Qualität kamen wie die reicheren Leute, und doch weniger dafür bezahlen mussten.

    Am Abend lud er seinen zusammengeklappten Tisch und die Eierkisten hinten in sein Auto und fuhr nach Marais-des-Onze-Villes

    Zu Hause ging er etwas zu eilig durch die Türe und stieß sich den Kopf. Es tat sehr weh.

    Sein Kopf schmerzte. "Ich Dummkopf", sagte er zu sich. Trotzdem begann sich sein Leben von diesem Tage an zu ändern.

    Heute spreche ich mit ihr, sagte er zu sich selbst.

    Mir fällt jetzt ein, daß ich etwas vergessen habe zu berichten. Ich will es an dieser Stelle einfügen:

    Hans war in den vergangenen Monaten von seiner Doppelarbeit durch den Hausbau abends so müde und hungrig gewesen, daß es Hanni und ihrer Mutter bald auffiel. Sie gaben ihm abends zu essen - natürlich bestand er darauf, es zu bezahlen - und saßen mit am Tisch, wenn er schweigend eine Flasche Bier trank. Dabei fielen ihm in der Stille nicht selten die Augen zu, und Hanni mußte ihn auffangen, wenn er zur Seite sank.

    An diesem Abend bat er Hanni, ihm hinüber zu seinem Haus zu folgen. Er sagte: "Hanni, das Haus ist fertig. Wenn du willst -? Es soll alles dir gehören. Ich meine - es ist natürlich viel zu klein -"

    "Es ist doch riesig groß", sagte Hanni.

    "Ja, vielleicht ein bisschen. Aber es ist viel zu schäbig und billig. Und hässlich ist es natürlich."

    Da merkte Hanni, was man zu Hans sagen mußte. "Natürlich ist es auch hässlich -"

    "Was sagst du da!" rief Hans erzürnt. "Mein schönes Haus machst du schlecht?!"

    "Unser Haus", sagte Hanni sanft.

    Das beruhigte Hans. "Dann willst du also?" fragte er ungläubig.

    "Vorläufig mal", antwortete Hanni.

    Jetzt mußte Hans lächeln, und diesmal gelang ihm sein freundlich-trauriges Lächeln überhaupt nicht. Er gluckste und kicherte sogar, als er in das harmlos-listige Gesicht von Hanni blickte.

    "Hoffentlich bereust du es nur nicht", sagte er dann doch. Aber eigentlich war es nicht überraschend, daß die beiden heirateten, nachdem Hans so oft an Hannis Schulter eingeschlafen war.

    "So etwas mußte ja kommen", sagte Hanni.

    Heimlich dachte Hans später, als Hanni Ja gesagt hatte: Die Eltern da oben können einen ganz schön in Verwirrung bringen. Von ganz allein wäre ich niemals an eine Frau und ein Haus gekommen. Es ging so schnell, ich weiß nicht einmal, wie das passiert ist.

    Jemandem wie mir steht so etwas eigentlich nicht zu.

    Ich denke natürlich, daß Hans sich geirrt hat. Wenn er weiterhin ein so trauriges Gesicht macht und so wenig von sich hält, wird er es noch weit bringen. Obwohl er inzwischen ziemlich alt ist. Die Zahl seiner Hühner hat sich verdoppelt. Und ich schätze, es werden noch viel mehr werden.

    * * *