|
||
|
Ich sehe ihn vor mir in der Küche. Ich weiche vor ihm zurück, klammere mich an die Stuhllehne, weiter zurück, um den Tisch… Dieser Krach war so fürchterlich gewesen. Dieser Krach! Die Spülmaschine, das Rauschen der Autos, die Waschmaschine hatte geschleudert, das Geräusch eines Presslufthammers ist durch das offene Fenster gedrungen und diese Hitze! Das Dröhnen des Radios, der Fernseher lief und ich war mittendrin. Aus! Ich konnte das nicht mehr ertragen! Und diese Hitze! Ich musste Milch kochen. Laut klirrend ist ein Stapel Teller auf dem gefliesten Küchenboden zersprungen. Überall Scherben… Ich fange an zu zittern, er kommt näher. Ich sehe nur noch seine Faust. Mit voller Wucht gegen die Schläfe. Ich stürze nach hinten auf die Fliesen. Für einen kurzen Moment überkommt mich schwarzer Schwindel. Dann schmecke ich Blut… Die Milch war übergekocht. Ich habe das nicht mehr ausgehalten! Ich habe nach dem Topf gegriffen und ihn in die Spüle geschleudert. Er zischte ganz fürchterlich. Es stank nach verbrannter Milch. Und überall Scherben. Meine Hände haben gezittert. Tränen tropften auf mein Kleid. Ich wusste nicht, wie lange er schon geschrieen hatte. Laut und unerbittlich hat er in das Chaos geschrieen. Ich habe mich über sein Bett gebeugt. "Pssst, ruhig mein Schatz." Zitternd strich ich über seinen Kopf. "Nicht schreien, nicht schreien!"… Er packt mich, Stoff reißt, zerrt mich hoch und presst mich gegen die Wand. Sein Gesicht ist genau vor meinem. Ich rieche Alkohol. Mit einer Hand beginnt er, mich zu würgen. Dann fängt er an zu schreien: "Warum bist du meine Frau? Warum habe ich eine Hexe zur Frau? Sag' mir, warum!" Er drückt noch fester, wieder dieser schwarze Schwindel … Er hatte nicht aufgehört zu schreien. Er hatte einfach nicht mehr aufgehört! Ich habe ihn aus dem Bett gehoben, ihn in die Luft gehalten. Ich habe ihn geschüttelt, kräftig geschüttelt, "Sei' leise!" habe ich gebrüllt und weiter geschüttelt, aber er hat nicht aufgehört zu schreien… Plötzlich lässt er locker und ich falle wieder auf den Küchenboden. Er beginnt zu weinen. Nur für einen kleinen Moment ist er schwach. Er sitzt auf den Knien, seine Hand versucht sich in die Fliesen zu krallen. "Warum?" wimmert er und sieht mich an. Dann schlägt die Verzweiflung wieder in Wut um, er richtet sich auf und brüllt mir ins Gesicht, ich sei' eine Hexe, der Teufel wäre ich, womit er das verdient hätte, den Satan hätte er geheiratet, ich hätte jede Strafe verdient! Wieder ballt er seine Faust und schlägt zu. Dann rennt er unter Tränen aus der Küche. Und nun sitze ich hier unter diesem Baum und betrachte mein zerrissenes Kleid. Noch einmal wische ich mir das Blut aus dem Gesicht. Doch meine Augen sind trocken. Ich kann nicht weinen, ich empfinde keine Reue. Es ist nur Blut das ich schmecke, keine Tränen. Er verstand mich nicht. Nie hat mich irgendjemand verstanden. Er hatte nicht mehr aufgehört zu schreien. So laut! Und neben ihm dieses große, weiße Kissen. Ich habe die Schreie unseres Sohnes einfach erstickt. |