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Tip
des Monats Oktober 1997
Martin Suter
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„Small world“
sagt Konrad Lang, wenn er jemanden, den er kennen sollte, nicht erkennt.
Oder „Kennen wir uns nicht aus Biarritz?“ Schade, ausgerechnet jetzt, wo
ihn das Leben endlich die große Liebe finden
läßt, erkrankt er an einer unheilbaren Krankheit, die Vergessenskrankheit
nämlich: Alzheimer. Und das hat Martin Suter, mit knapp 50 ein nicht
gerade junger Newcomer, hinreißend ausgefuchst eingefädelt.
Hier vergißt einer, wo er doch Erinnerungen hat, die seiner großen
Gegenspielerin, der Fabrikantenprinzipalin Elvira Koch, längst über
achtzig, ein arger Dorn im Auge sind. Vor gut sechzig Jahren kam Konrad
in ihre Familie, wuchs an der Seite ihres verzärtelten Sohnes auf,
allerdings nicht an Bruders statt, sondern eher als Lakai, als Randfigur,
als Sündenbock. Daß er Zeuge unerhörter Machenschaften
war, kommt erst so spät ans Licht. Es ist ungemein spannend, wie uns
der Autor peu à peu zur Auflösung dieses Konfliktes führt.
Gleichzeitig aber kommen wir nicht umhin, den alten und verwirrten Konrad
richtig lieb zu gewinnen. Suter verblüfft durch seine feinfühlige,
stets leicht unterkühlt wirkende Sprache. Ein Max Frisch konnte so
schreiben, ein Jurek Becker, ein Patrick Süskind, um auch einen lebenden
Autor zu nenen. Small world ist ein Buch zum Mehrmalslesen. Man kann es
als Psychothriller durchschmökern, dann als Krankengeschichte, und
zuletzt noch einmal als tragikomische Gesellschaftsstudie. Auf alle Fälle
handelt es sich um eines der besten literarischen Neuerscheinungen seit
langer Zeit!
Ronsdorfer
Bücherstube, Staasstraße 11 , 42369 Wuppertal
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