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Tip
des Monats Januar 1998
Albert Drach
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Zu
Beginn des neuen Jahres möchte ich einen Autor in Erinnerung bringen,
den als wahrlich großen Schriftsteller deutscher Sprache zu bezeichnen
ich nicht zögere.
1995 verstarb er dreiundneunzigjährig. Seine Autobiografie beginnt wie folgt : "Scheintot in die Welt geprügelt, dann Wahrnehmung, wie ein ertrunkener Betrunkener nach 14 Tagen enstellt aus Schilf auf Leiterwagen geschleudert ... Beschluß - unsterblich und dann Dichter zu werden." Das hier besprochene Werk spielt in Österreich vor dem zweiten Weltkrieg. Ein angehender Gerichtsassesor ist beauftragt, das Protokoll gegen einen armselig aussehenden Juden mit Namen Schmul Leib Zwetschgenbaum zu verfassen. Dem Mann wird Diebstahl fremder Früchte vorgeworfen. Die Personnage in Drachs Roman ist furios: ein Ortsgendarm, diverse Gerichtsdiener, vier Irrenanstaltswächter, Spitalärzte, Händler und viele betrügerische "Weibsbilder". Vieles, was im Zuge der Ermittlungen gegen Zwetschgenbaum in den Amtsstuben palavert wird, bereitet wenig später als Gemeinplatz den Boden für tausendfachen Mord. Drach führt die arrogante Beckmasserei deutscher Amstgeschäfte brilliant und nicht ohne Augenzwinkern ad adsurdum. Der Jude Zwetschgenbaum wird von der Irrenanstalt zu Haftanstalt geschubst. Wen immer gerade die Lust überkommt der prügelt auf ihn ein, und daß sich der Arme in sein Schicksal fügt, macht ihn erst recht verdächtig. Drach Träger des Büchnerpreises im Jahre 1988, überläßt es listig der "Gerechtigkeit" und ihrer grausligen, nur scheinbar objektiven Sprache, sich selbst zu entlarven. Ein Roman eine Schicksalsgeschichte im Protokollstil der Justiz. daraus ergibt sich eine unglaubliche Komik. Den zweite Erzählstrang bildet die Auseinandersetzung um die chassidische Lehre (der Schmul anhängt), das jüdische Volk habe sich jeglichem Schicksal zu ergeben : "So müßten sie lachen unter Schmerzen und tanzen, wenn auch zugrunde gehe die Welt". Ronsdorfer
Bücherstube, Staasstraße 11 , 42369 Wuppertal
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