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Tip des Monats April 1998

Meir Shalev
Judiths Liebe
(Diogenes)
Preis & Buchdaten geb
Preis & Buchdaten
TB
Preis & Buchdaten Hörbuch

rezensiert
von

Michael
Gebauer
gebundenes Buch
 
Taschenbuch
 
 
Hörbuch


Traurig, humorvoll, üppig, poetisch, sinnlich ...

... ist der neue Roman Judiths Liebe' von Meir Shalev.  Der Ich-Erzähler Sejde Rabinowitz, bereits erwachsen, läßt im Rückblick den dörflichen Mikrokosmos seiner Kinder- und Jugendjahre in der Jesreel-Ebene, dem heutigen Israel, wiederaufleben.  Der Roman umfaßt den Zeitraum der 30er bis 70er Jahre.  Drei Männer haben seine Mutter zeitlebens umschwärmt, vor und nach ihrem Tod versuchten sie sich in väterlicher Fürsorge zu übertreffen.  Mosche Rabinowitz, der Judith auf seinem Hof ein Zuhause und eine Anstellung als Haushälterin gibt, Globermann, der vermögende Viehhändler und Jakob Scheinfeld, Philosoph, Hobbykoch und Kanarienzüchter.
Die Weisheiten, die Sejde von seinen Vätern erzählt werden, sind mal bauernschlau, skurril, mal philosophisch-phantasievoll. Die vielfach verwendeten jiddischen Begriffe werden direkt ins Deutsche übertragen. Die Geschichten Globermanns, wie dessen Vater und er ihren Reichtum begründeten, gewinnen an Charme, je unglaublicher sie werden.

Vom Virus einer liebenswerten Verrücktheit scheint im Dorf keiner verschont.  Begeisterungswürdig finde ich beispielsweise die Idee, mit dem Mann, der seinen erbgeifernden Söhnen einen Strich durch die Rechnung macht: Er bemißt sich noch 17 Lebensjahre und errechnet, die für diese Zeit täglich benötigte Geldmenge, Katzenfutter inklusive.  Hiernach soll alles Geld ausgegeben sein.  Als Krönung läßt er eine Sanduhr entsprechender Größe anfertigen und im Hof aufstellen, die allen auf Jahre anschaulich die Durchführung seiner Tat dokumentieren soll.

Shalevs erschaffene Charaktere rühren an, überzeugen.  Die einzelnen Personen und Geschichten bleiben fern jeder Klamotte.

Bitte lesen!

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