![]() |
Tip
des Monats August 1999
Albert Vigoleis Thelen
|
||||||||||||||
|
Kein Buch habe ich öfter
gelesen, keines liebe ich mehr. Im Grunde ist es paradox: Da erscheint
im Jahre 1953 von einem bis dato unbekannten Autor dieser sehr umfangreiche
Schelmenroman, und die Kritik merkt sofort: das ist Weltliteratur. Schon
ein Jahr später erhält Thelen den begehrten Fontane-Preis. Leider
hat das nicht zum Ruhm des niederrheinischen Kauzes geführt, mit dem
ich, das verrate ich mit Stolz, eine Zeitlang im Briefwechsel stand. Autor
und Werk sind heute nahezu vergessen. Die „Insel“ ist nur wenigen Literaturliebhabern
ein Begriff, aber alle anderen sind in einer glücklichen Lage, denn
sie können Thelens Meisterschaft noch entdecken. Geschildert werden
des Schreibers Erlebnisse auf Mallorca ab 1933. Das Buch handelt von Huren
und Hausierern, Philosophen und Politikern, Dichtern und Dummköpfen,
vor allem aber von Thelen selbst und seiner Lebensliebe Beatrice.
Obschon die Zeiten finster sind (der Faschismus erobert gerade Europa), gelingt es Thelen, ein Feuerwerk des Humors zu zünden. Meine Lieblingsszene: Vigoleis verdingt sich als Fremdenführer für eine KDF-Gruppe. Er hat noch nahezu keine Ahnung von Mallorca und lügt den deutschen Patrioten das Blaue vom Himmel herunter. Das ist kein Buch für zwischendurch, ich sage es ehrlich. Es ist eine unerhörte Herausforderung, vor allem für die Lachmuskeln. Und wenn Sie die „Insel“ erst gelesen haben, werden sie auch „Der schwarze Herr Baßetup“ verschlingen, Thelens nachfolgenden Roman. Viel Freude! Ronsdorfer
Bücherstube, Staasstraße 11 , 42369 Wuppertal
|