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Tip des Monats August 1999

Albert Vigoleis Thelen
Die Insel des zweiten Gesichts
Deutscher Taschenbuch Verlag. 267 Seiten, 1999
Preis & Buchdaten gebunden
Preis & Buchdaten TB

rezensiert
von

Christian
Oelemann
gebundenes Buch
 
 Taschenbuch
 



 


Kein Buch habe ich öfter gelesen, keines liebe ich mehr. Im Grunde ist es paradox: Da erscheint im Jahre 1953 von einem bis dato unbekannten Autor dieser sehr umfangreiche Schelmenroman, und die Kritik merkt sofort: das ist Weltliteratur. Schon ein Jahr später erhält Thelen den begehrten Fontane-Preis. Leider hat das nicht zum Ruhm des niederrheinischen Kauzes geführt, mit dem ich, das verrate ich mit Stolz, eine Zeitlang im Briefwechsel stand. Autor und Werk sind heute nahezu vergessen. Die „Insel“ ist nur wenigen Literaturliebhabern ein Begriff, aber alle anderen sind in einer glücklichen Lage, denn sie können Thelens Meisterschaft noch entdecken. Geschildert werden des Schreibers Erlebnisse auf Mallorca ab 1933. Das Buch handelt von Huren und Hausierern, Philosophen und Politikern, Dichtern und Dummköpfen, vor allem aber von Thelen selbst und seiner Lebensliebe Beatrice.
Obschon die Zeiten finster sind (der Faschismus erobert gerade Europa), gelingt es Thelen, ein Feuerwerk des Humors zu zünden. Meine Lieblingsszene: Vigoleis verdingt sich als Fremdenführer für eine KDF-Gruppe. Er hat noch nahezu keine Ahnung von Mallorca und lügt den deutschen Patrioten das Blaue vom Himmel herunter.
Das ist kein Buch für zwischendurch, ich sage es ehrlich. Es ist eine unerhörte Herausforderung, vor allem für die Lachmuskeln. Und wenn Sie die „Insel“ erst gelesen haben, werden sie auch  „Der schwarze Herr Baßetup“ verschlingen, Thelens nachfolgenden Roman.
Viel Freude!  

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