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Tip des Monats Oktober 1999

Andrea de Carlo 
"Wir drei“
Diogenes Verlag
Preis & Buchdaten geb
Preis & Buchdaten TB

rezensiert
von

Christian
Oelemann
gebundenes Buch
 
Taschenbuch
 
 
 



 


Andrea de Carlo hat uns in den letzten Jahren eine ganze Reihe lesenswerter Romane geliefert, aber jetzt ist er über sich hinausgewachsen, indem er seinen Stil endgültig gefunden hat. „Wir drei“ ist ein wunderbares Buch über das Lebensgefühl der heute 40jährigen. Es erzählt uns von einer Freundschaft zwischen zwei Männern und einer Frau, die sich immer wieder aus den Augen verlieren und finden. Ganz ohne Sex und ganz ohne Crime kommt dieser Roman aus. Welchem Autor gelingt das schon, dennoch ein spannendes Werk zu schreiben, das in Italien in allen Bestsellerlisten ganz vorn zu finden war. Livio, der Ich-Erzähler, ist ein begabter Maler ohne jegliches Talent, etwas aus sich zu machen. Marco, den er immer bewundert hat, ist ein enormer Querkopf, der es zum umjubelten Filmemacher bringt, ohne jemals mit sich zufrieden zu sein. Er haßt das Establishment, kommt nicht zur Ruhe. Und Misia....sie ist beider Männer Lebensliebe. Das Leben scheint ihr zunächst spielend zu gelingen, sie hat Talent zur Schauspielerei, hat den nötigen Mumm, um Berge zu versetzen, aber auch sie scheitert an ihren eigenen Erwartungen, driftet ab, verfällt der Drogensucht. Ein Trio, das stets auf der Suche ist und immer wieder findet. De Carlo kann alles aus diesen drei Figuren herausholen. Er hat den Ton, der uns Leser zu Sympathisanten macht, auch wenn wir ab und an hadern müssen mit den „Helden“, die so gar keine Helden sind. Was zeichnet sie aus? Ist es ihre jeweils ganz unterschiedliche Art, nein zu sagen, wenn Resignation droht? Vielleicht das. Aber darüber hinaus zeigen Livio, Marco und Misia, daß es die wahre Liebe wirklich gibt, nämlich jenseits von behaglicher Zurückgezogenheit und sättigender Befriedigung.
„Wir drei“ handelt von Hunger und Durst. Ich wünsche mir, daß dieser Roman in Wuppertal an seine italienischen Erfolge anknüpft. Zum Schluß ein Lob an Renate Heimbucher, die das Original in ein hervorragendes Deutsch herübersetzte.
 

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