![]() |
Tip
des Monats Januar 2000
Vladimir Nabokov
|
||||||||||||||||||||||
|
Bislang ehrten wir tatsächlich
noch kein einziges Buch des Romanciers, der mit Sicherheit zu den bedeutendsten
Autoren des zwanzigsten Jahrhunderts zählt: Vladimir Nabokov. Nun,
seine „Lolita“ ist sicherlich weltberühmt, aber auch seine anderen
in englischer Sprache verfassten Werke erlangten enorme Popularität.
Weniger bekannt indes sind – leider – seine in Russisch geschriebenen Romane,
die in Berlin, später in Paris unter Nabokovs Pseudonym
Sirin entstanden. „König, Dame, Bube“ weist kompositorisch schon 1928
auf die späteren Meisterwerke hin, auch wenn man dieses Buch ganz
genüßlich als „Spannungsroman“ lesen kann, so man möchte.
Der Inhalt ist mit wenigen Worten umrissen: Franz, ein junger Mann aus der Provinz, reist nach Berlin und wird dort Verkäufer im Warenhaus seines Onkels Dreyer. Schon bald bahnt sich ein erotisches Verhältnis mit dessen Frau Martha an. Um von einer gemeinsamen Zukunft träumen zu können, entwickeln Franz und Martha einen verwegenen Plan, Dreyer auf möglichst perfekte Weise zu ermorden. Das ist schon ein heikler Stoff, und man liest „König, Dame, Bube“ tatsächlich mit der Unruhe, die man bei guten Krimis empfindet. Indes wird man dem Buch nicht gerecht, wenn man es auf die Mordgeschichte reduziert. Das eigentliche Thema dieses Romans ist die Zeit, in der sich die Grenzen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in unheimlicher Weise verwischen. Nabokov (Sirin) versteht es wie kaum ein anderer, jede Regung ungemein präzise zu zeichnen, ihm stehen Metaphern zur Verfügung, von denen die meisten Schreiber nur träumen können. Mit beißendem Spott legt er menschliche Unzulänglichkeit bloß, daß einem das spontane Lachen schnell im Halse steckenbleibt. Vielleicht reicht schon der erste Satz von „König, Dame, Bube“, um Ihnen Lust auf ein wunderbares Leseabenteuer zu machen: Der riesige schwarze Uhrzeiger steht noch still, wird aber gleich seine Einmal-pro-Minute-Geste vollziehen; und dieser federnde Ruck wird eine ganze Welt in Bewegung setzen........ Ronsdorfer
Bücherstube, Staasstraße 11 ,
|