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Tip des Monats Oktober 2000

Antonio Skarmeta
Die Hochzeit des Dichters
Piper Verlag
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Susanna
Erb
geb. Buch
 
 
 
 
 
 
 

 


Selten ist mir ein sprachgewaltigerer Autor als Antonio Skarmeta begegnet, einer, der so geist- und bildreich erzählen kann. Das hat er bereits in seiner liebevollen Erzählung "Mit brennender Geduld" unter Beweis gestellt, und nun hat er sich in der "Hochzeit des Dichters" sogar übertroffen.
Zeit der Handlung sind die Wochen vor Beginn des Ersten Weltkrieges. Schauplatz ist die Insel Gema an der malizianischen Küste im Adriatischen Meer.

Die Vorbereitungen der sogenannten Jahrhundert-Hochzeit laufen auf Hochtouren. Hieronymus Franck, 50 Jahre alt und aus Salzburg stammend, landete vor Jahren "zufällig" auf dieser Insel. Er errichtete dort ein Kaufhaus und hielt schon bald um die Hand der schönsten aller Inselbewohnerinnen an: der damals noch zwölfjährigen Alia Emar. Nun ist es soweit.
Alia ist mittlerweile zwanzig. Der Tag vor der Eheschließung wird sowohl durch den Glauben an die Wiederholung einer Legende als auch durch ein dem Krieg vorauseilendes Ereignis überschattet:
Einige junge Insel-Rebellen verhindern durch Überfall einer österreichisch-ungarischen Barkasse ihre Rekrutierung. Angeführt werden sie vom Sohn des Josef Copetta, der im ausgehenden letzten Jahrhundert seinen Kampf für die Unabhängigkeit der Insel mit dem Tod bezahlen mußte, und den sein Sohn Reino weiterführen will.
Stefano Copetta, der Lämmerblut, nicht wie sein Bruder Wolfsblut, in den Adern hat, zieht es vor, um Alia anstatt um seine Freiheit zu kämpfen. Er legt es darauf an, die Hochzeit im letzten Moment zu verhindern.

Es kommt zu heftigen, überraschenden und temperamentvollen Szenen, mitunter grotesk und skurril. Skarmeta läßt keine Schattierung menschlichen Gefühls aus. Die Dinge nehmen einen unerwarteten Verlauf, in dessen Sog man unwillkürlich gezogen wird.
"Die Hochzeit des Dichters" ist eine ungeheuer spannende, beeindruckende Geschichte: anspruchsvoll, kurzweilig, traurig und witzig zugleich.

Großes Lob auch an Willi Zurbrüggen, der dieses literarische Kleinod aus dem chilenischen Spanisch kongenial ins Deutsche übersetzt hat.

Ich freue mich, dieses wunderbare Buch entdeckt zu haben!

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