Tip des vorherigen MonatsChronologische Liste der RezensionenTip des folgenden Monats
 
Tip des Monats November 2000

Loon, Karel G. van
Passionsfrucht

Gustav Kiepenheuer Verlag
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Christian

Oelemann
geb. Buch
 
 
 
 
 
 
 

 


Kürzlich ging die Frankfurter Buchmesse zu Ende, und ich bin erstaunt, ja geradezu erschrocken, daß ausgerechnet der Roman, der mir in diesem Jahr am meisten Eindruck gemacht hat, dort ganz unter "ferner liefen ..." gehandelt wurde. Keine große Presse für den vierzigjährigen niederländischen Autor. Zum Glück gibt es die Tips des Monats bei der www. buchkultur.de , an dieser Stelle kann ich Karel G. van Loon zu seinem Buch gratulieren und gleichsam Ihnen "Passionsfrucht" als eine ganz besondere Lektüre empfehlen.

"Passionsfrucht", der Titel ist gut gewählt, denn es geht um die Frucht einer Passion, einer Leidenschaft, es geht um Bo, Armin Minderhouts 13jährigen Sohn, der, so stellt sich nun heraus, nicht sein leiblicher ist. Daß das nicht Voraussetzung für eine wirklich wunderbare Beziehung ist, schildert van Loon in vielen eindrücklichen Situationen. Solche Einvernahme zwischen Erwachsenen und Jugendlichen trifft man selten an. Und doch, Bo ist nicht Armins Sohn, er hat es schwarz auf weiß nun, Armin ist sein ganzes Leben zeugungsunfähig gewesen. Bos Mutter, die große Liebe Armins Leben. kann keine Auskunft mehr geben, sie ist seit zehn Jahren tot. Also muß er in die Krypta seiner Erinnerungen hinabsteigen, muß recherchieren, wer es gewesen sein könnte, nein, wer es war. Nicht, dass seine Gefühle für Bo darunter zu leiden hätten, beileibe nein! Aber die Suche nach dem biologischen Vater wird Armin zur Obsession. Wie ein Detektiv geht er vor, und das macht die Geschichte für uns Leser so spannend. Auch wir wollen es wissen. Aber damit erschöpft sich die Attraktion von "Passionsfrucht" längst nicht. Ebenso gespannt erleben wir nämlich, wie Armin Minderhout bei seiner Tour in die Vergangenheit die Gegenwart aus dem Ruder läuft. Das könntest auch du oder ich sein, dachte ich immer wieder, und Schauerliches mischte sich in meinem Kopf mit Vergnüglichem. Ich las diesen herrlichen Roman (knapp 4 Stunden) in einem Zug, es ging nicht anders. Danach war ich erst einmal nicht mehr ansprechbar.  

Ronsdorfer Bücherstube, Staasstraße 11 , 
42369 Wuppertal
Telefon : 0202 / 246 16 03 
Fax : 0202 / 246 16 04