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Tip des Monats Februar 2001

Denkt
Lodge, David
Haffmanns
Preis & Buchdaten

 

rezensiert
von

Christian
Oelemann

geb. Buch
 
 
 
 
 
 
 

 


Erinnern Sie sich noch an unseren zweiten Tip des Monats Juli 1997? Nein, das wäre ein wenig viel verlangt, ich gebe es zu. "Saubere Arbeit" hieß der Roman, und geschrieben hat ihn der Engländer David Lodge. Sein neues Meisterwerk knüpft an das Campus-Leben an. Die Schriftstellerin Helen Reed Wir erfahren ihre Gedanken aus dem Tagebuch, das sie führt, um eventuell Material daraus für einen neuen Roman verwenden zu können. Helen ist einem Ruf der Universität Glocester gefolgt, um einen Kurs über "Kreatives Schreiben" zu leiten. Sie hat vor einiger Zeit ihren geliebten Ehemann verloren, steckt tief in einem Loch aus Trauer und Schmerz, von dem Lehrauftrag erhofft sie sich heilenden Abstand. Köstlich, ihre Zweifel zur Daseinsberechtigung der erzählenden Literatur! Ich habe mir ganze Passagen in mein Notizbuch abgeschrieben.

Wie in "Saubere Arbeit" gibt es in "Denkt" einen zweiten, "männlichen" Handlungsstrang. Ralph Messenger (50) ist Kognitionswissenschaftler an der selben Uni. Sein neues Experiment sieht das planlose Besprechen von Bändern vor, um daraus Rückschlüsse auf das menschliche Denken ziehen zu können. Wir "hören" ihn also, nehmen vergnügt Anteil an seinen überwiegend sexuellen Fantasien, die durch das Auftauchen Helens neue Nahrung bekommen. Aber klar: Helen und Ralph sind wie Feuer und Wasser. Ihre Ansichten über die das, was man "Bewußtsein" nennt, klaffen weit auseinander, es kommt sogar zu einer hitzigen Debatte im Whirlpool der Familie Messenger.

Lodge (selbst Professor) ist nicht nur ein stilsicherer Formulierer, er beherrscht das Ausloten der geheimnisvollen menschlichen Psyche grandios. "Denkt" (der Titel meint die Pünktchen, die Comicfiguren mit ihren Sprechblasen verbinden) ist ein witziger Roman, witzig im britischen Sinne, also geistreich, erhellend, vergnüglich. Ein Buch, das eigentlich unbezahlbar ist, denn man kann es wieder und wieder lesen, ohne sich zu langweilen. Und eines kann ich Ihnen versprechen: Sie werden sich in Ihrem Alltag immer wieder an Helen und Ralph erinnern, werden sich dabei ertappen, daß Sie plötzlich eine Position beziehen, die Ihnen zuvor vielleicht suspekt vorkam. Ich wünsche David Lodge beste Gesundheit, geplant ist nämlich ein abschließender dritter Campus-Roman. Freilich wird er sich anstrengen müssen, denn die Meßlatte "Denkt" hängt sehr hoch!

Freuen Sie sich auf Ihre Stunden mit "Denkt"!

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