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Tip
des Monats Mai 2001
Selbstporträt
mit Eltern |
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Nicolaas Matsier ist
in Deutschland noch unbekannt. Noch. Ich bin sicher, das wird sich schnell
ändern, denn der Arche Verlag hat eine glückliche Hand bewiesen, diesen
1945 in Krommenie geborenen Meistererzähler zu entdecken, der in unserem
kleinen Nachbarland Niederlande schon lange zu den Großen gehört, dort
preisgekrönter Kinderbuch- und Romanautor ist. Jetzt liegt uns also "Selbstportät
mit Eltern" vor. Ich bekam ein Leseexemplar, schlug es auf und war verloren.
Verloren für meine Familie und jeden, der mich hätte ansprechen wollen.
Dieser Roman zog mich sozusagen in seinen Inhalt hinein, ich las und las
und las, bis die letzte Seite erreicht war, und auch danach noch war ich
nicht fähig, mich auf eine andere Beschäftigung einzulassen. Was für ein
Buch! "Selbstportät mit Eltern" ist ungemein spannend, wennwohl nicht
im Sinne eines Krimis. Die Handlung besteht aus nicht mehr, vor allem
aber aus nicht weniger als Kindheitserinnerungen, die den Ich-Erzähler
überfallen, als er die traurige Aufgabe hat, das Elternhaus einem Makler
zu übergeben. Seine Mutter ist gestorben, lange nach seinem Vater, und
indem der Erzähler zusammen mit seiner Schwester und seinem Bruder nun
noch einmal jeden Winkel des Hauses, in dem er groß geworden ist, inspiziert,
jeden dort auf einmal nutzlos gewordenen Gegenstand in die Hand nimmt,
ganz auf Zweckmäßigkeit bedacht, kehrt die Jugend zurück. Auf einmal sind
sie wieder präsent, die Eltern, wie sie damals waren, die Geschwister
als Kinder, auf einmal tauchen alte, längst vergessen geglaubte Kränkungen
und Peinlichkeiten wieder an die Oberfläche. Doch wenn man befürchten
sollte, daß hier schmutzige Wäsche gewaschen wird, daß hier abgerechnet
werden soll, dann irrt man gewaltig. Sehr liebevoll erzählt Matsier von
seinen Erlebnissen in den frühen 50er Jahren, die so weit zurückliegen
und doch ganz gegenwärtig sind. Ronsdorfer
Bücherstube, Staasstraße 11 ,
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