rezensiert
von
Christian
Oelemann

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Liebe Freunde der
www.buchkultur.de,
diesmal habe ich Ihnen einen kleinen Leckerbissen anzubieten, den Sie
bestimmt in keiner Bestsellerliste finden werden. Ein eher unauffälliges
Bändchen, gerade einmal 112 Seiten dick, und doch prall voller Formulierungskunst,
Geist und Witz!
Der Autor, Jean-Phillipe Toussaint, ist Belgier, lebt auf Korsika und
ist Professor für französische Literatur. Mit der Figur des "Monsieur"
hat er uns einen Kauz präsentiert, den zu studieren es lohnt, ich rate
Ihnen, den kleinen Roman gleich zweimal zu lesen. Ich garantiere Ihnen,
es wird sie nicht langweilen, im Gegenteil, Sie werden bei der zweiten
Sicht noch vergnügter sein, so, wie es uns mit den besten Filmen von Woody
Allen ergeht. Der Vergleich Toussaint - Allen ist durchaus am Platz, Sie
werden sehen.
Monsieur - einen anderen Namen erfahren wir nicht, warum auch? - ist noch
keine 30, und doch hat er es bereits zu etwas gebracht: Geschäftsführer
bei Fiat-France. Ein sauberer Kerl, sachlich, professionell: " Der Inbegriff
des idealen Schwiegersohns". Ein Mann ohne Widerstände, ohne Eigenschaften,
ohne Konturen ist er, dafür eckt er aber auch nirgendwo an, nicht einmal,
wenn es erwünscht wäre, sagen wir, bei einer jungen Dame, die ihm ganz
sicher einiges erlauben würde....
Toussaint hat ein durchaus philosophisches Buch mit äußerst trockenem
Witz und sprachlicher Virtuosität geschrieben, Sigrid Vagts Übersetzung
ins Deutsche muß an dieser Stelle ganz besonders hervorgehoben werden.
Lesevergnügen wie dieses sind - bei aller Fülle des Literaturmarkts -
eine Seltenheit geworden.
Ronsdorfer
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