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Tip des Monats August 2001

Der Tag X
Phillip Kerr

Wunderlich
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Michael
Gebauer

 

 

 
 
 
 
 
 

 


Seit gut zehn Jahren gehört der britische Thriller-Autor Philip Kerr weltweit zur Elite der Spannungsliteraten. Vielleicht kennen Sie bereits den mit den angesehensten Preisen ausgezeichneten Roman "Das Wittgenstein-Protokoll", bislang Kerr`s herausragendes Werk. Jetzt aber liegt "Der Tag X" vor, und damit hat er den Vogel abgeschossen. Wenn Sie den Roman aufschlagen und die erste Seite lesen, sind Sie - das verspreche ich Ihnen - für Stunden verloren. Dann nämlich müssen Sie weiterlesen bis zum letzten Satz, und ich wüßte ehrlich gesagt gerne, ob es Ihnen dabei ähnlich ergeht wie mir, der sich nicht dagegen wehren konnte, für einen Profikiller sukzessive immer mehr Sympathie zu empfinden. Tom Jefferson heißt dieser Mann - wir befinden uns im Jahr 1960, die Kuba-Krise steht kurz bevor - und sein Auftrag lautet: Töte Fidel Castro. Nun, der kubanische Staatschef lebt noch immer, ich nehme also nichts vorweg, wenn ich an dieser Stelle verrate, daß alles anders kommt als geplant, und Schuld daran hat kein Geringerer als John F. Kennedy himself, gegen den ein Bill Clinton, zumindest, was Amouren betrifft, geradezu blaß aussieht. Jefferson ist zwar ein hartgesottener Profi, aber einen Makel hat er, den Angehörige seines Gewerbes nicht haben sollten: Gefühle. Er wußte es wahrscheinlich selbst nicht bis zu dem Tag, als er ein Tonband abhört, auf dem die Monroe beim Liebesspiel mit Mr. President aufgezeichnet werden sollte. Die Stimme der Frau gehört nicht der blonden Filmschauspielerin, sie gehört seiner Ehefrau Mary.

Zugegeben, das Thema Kennedy wurde schon von anderen bearbeitet. Indes habe ich selten einen so packenden Thriller in die Hände bekommen, der nicht allein unterhaltsam ist sondern darüber hinaus aufzeigt, was alles möglich ist und schon 1960 möglich war. Die Realität ist lediglich ein Sonderfall des Möglichen, Kerr beweist es mit "Der Tag X" meisterlich. Eine Warnung sei allerdings ausgesprochen: Lassen Sie lieber die Finger von dem gut 500 Seiten starken Roman, wenn Sie zart besaitet sind. Nervosität und Schweißausbrüche wären nämlich dann nicht auszuschließen.

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