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Tip des Monats Oktober 2001

Willem Frederik Hermans
Die Dunkelkammer des Damokles
Gustav Kiepenheuer
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Christian 
Oelemann
 
 
gebundenes Buch
 
 
 
 


Es wurde höchste Zeit, daß dieses Meisterwerk endlich auch ins Deutsche übersetzt wurde (Waltraud Hüsmert hat das hervorragend erledigt)! Willem Frederik Hermans ist bei uns schon einmal mit einem Roman hervorgetreten, "Unter Professoren" hieß dieser und wurde - zu Unrecht - ein Flop. "Die Dunkelkammer des Damokles hingegen", dazu wollen wir unbescheiden von dieser Stelle aus beitragen, soll in aller Munde sein, denn dieses Buch gehört zu den Jahrhundertromanen, ich übertreibe nicht!

Henri Osewoud ist ein Pechvogel. Schon vor dem Krieg verliert er seine Eltern, seine Mutter ermordete seinen Vater und blieb geistig umnachtet. Der Junge kommt ins Haus seines Onkels, trifft dort auf seine Jahre ältere Cousine, mit der er seine ersten sexuellen Erfahrungen macht und die er später, weil es doch so einfach ist, gleich heiratet. Von Liebe keine Spur, Jahre später wird Osewoud sie sogar erdolchen, denn sie hat ihn bei den Deutschen denunziert, um ungestört mit einem NSBler zusammenleben zu können. Die entscheidende Wende in Osewouds Leben kommt, als ein niederländischer Offizier ihm, ausgerechnet ihm, warum nur gerade ihm, den Auftrag erteilt, einen Film zu entwickeln. Damit gerät er in den Strudel des Widerstands, und obschon er selbst ein unpolitischer Mensch ist und wenig Durchblick hat, wird er zum rücksichtlosen Mörder, freilich einer "guten" Sache wegen. Dorbeck heißt dieser Offizier, und er versorgt Osewoud von nun an mit immer neuen Aufträgen. Zufall oder genialer Trick des Autors, jedenfalls sehen sich Dorbeck und Osewoud verblüffend ähnlich, einziges zur Unterscheidung taugliches Zeichen: Osewoud wächst kein Bart.

Der Leser ist sich des Verhängnisses längst bewußt, welches Osewoud zugrunde richtet, aber Osewoud selbst merkt es nicht, er kommt immer wieder durch, entwischt sogar der deutschen Polizei, und tatsächlich ist er für den niederländischen Widerstand geradezu ein Held, aber: es nützt ihm nichts.

Ich empfehle Ihnen dieses sagenhaft spannende Buch dringend! Sie werden staunen, wie hier das Empfinden für "Gut" und "Böse", für "richtig" und "falsch" durchgeschüttelt wird, da daß man am Ende beinahe erschöpft ist. Allein dieses Romans wegen hätte der 1995 verstorbene Autor den Nobelpreis für Literatur verdient.

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