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Tip des Monats Januar 2002

Jörg Uwe Sauer
Das Traumpaar
Jung und Jung
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Christian 
Oelemann
 
 
gebundenes Buch
 
 
 
 


Ein ganz junger österreichischer Verlag ist zu loben: Jung und Jung heißt er, und bereits in seinem ersten Programm stellt er 8 hochkarätige Werke, darunter Jörg Uwe Sauers "Das Traumpaar", vor. Lange nicht mehr gelacht? Dann bitte hier zugreifen!

Sauer schenkt uns einen unerhört witzigen und oft bitterbösen Schelmenroman, der anfänglich in Berlin spielt, später in Triest und Salzburg.

Den Namen des Protagonisten erfahren wir nicht, wohl aber alles über seinen unvermeidlichen Untergang.

Unser Mann ist ein scharfer Beobachter der akademischen Szene und wirft tonnenweise mit Spott um sich. Wer schon einmal eine Universität von innen erlebt hat, weiß sofort, was Sauer meint. Nehmen wir die Freie Universität in Berlin.

Dorthin verschlägt es unseren Helden, der ein recht begabter Amateurgeiger ist und sich aus Daffke bei der Ausschreibung einer ordentlichen Professur für Tonsatz bewirbt. Zwar hat er nicht einmal ein abgeschlossenes Studium vorzuweisen, doch wird er danach gar nicht gefragt und bekommt die Stelle, hat sie für zehn Jahre inne, bis der Schwindel auffliegt.

Um sich gegen die Avancen einer gewissen Dame zu wehren, erfindet er eine Lebensliebe, die er Mignon nennt. Mignon und er: das Traumpaar! Mignon wird so sehr Gegenstand des öffentlichen Interesses in der Hauptstadt, daß sie es sogar zu einer BILD-Schlagzeile bringt. Von Goethe zu Dante: in Triest läuft er einer häßlichen, wohl aber attraktiven jungen Frau über den Weg, die natürlich Berenice heißen muß und ihn von Anfang an durchschaut. Mit ihr erlebt er die groteskesten Abenteuer, darunter gar ein erfolgreich verlaufender Banküberfall. Berenice und er, ein Traumpaar.

Wer bekommt in diesem köstlichen Buch nicht sein Fett weg! Handke, Thomas Mann, die CDU, die DDR, von Karajan, Momper, ach, die Liste würde zu lang. Erwähnt werden muß allerdings unbedingt noch Thomas Bernhard, dessen Diktion sich Sauer ausgeborgt hat, dennoch nicht von den spitzen Pfeilen des jungen Autors verschont bleibend. Großes Lob für Jörg Uwe Sauer, dessen Erstling übrigens auch seitens seiner Gestaltung begeistert. Auf dem Umschlag ist ein vertikal gespiegelter Citroen DS zu sehen, jenes legendäre Mobil, mit dem der Protagonist uns durch diese tour de force kutschiert.

Ein Lesevergnügen der wirklich ganz besonderen Art, das kann ich Ihnen versprechen.

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