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Tip des Monats Februar 2002

John Irving
Die vierte Hand
Diogenes
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Christian 
Oelemann
 
 
gebundenes Buch
 
 
 
 


Auf einen neuen Roman von John Irving freue ich mich stets, meist jahrelang, denn Irving läßt sich Zeit mit dem Schreiben. Das ist auch gut so.

Zugegeben, seine frühen Romane mochte ich nicht sehr, aber "Garp", "Gottes Werk und Teufels Beitrag", "Owen Meany" und "Witwe für ein Jahr" waren, nein sind Leseerlebnisse, die ich nicht missen möchte. Der Kerl kann ungeheuer packend erzählen, kann Schicksale lebendig machen, kann Typen so unprätentiös beschreiben wie kein anderer.

Außerdem ist er witzig, Und komisch! Und abgrundtief traurig dazu. Was will man mehr? Leidenschaft, das ist das Generalthema Irvings, und mit seinem neuen Roman "Die vierte Hand" hat er die Meßlatte für sein weiteres Schaffen noch einmal höher gelegt. Worum geht es:

Der Journalist Patrick Wallingford hat seine Hand vor laufender Kamera verloren (ein Löwenbiß) und bekommt eine neue transplantiert. Mrs. Clausen, die Witwe jenes Mannes, mit dessen Hand Patrick nun lebt, besteht darauf, dass sie die Extremität ihres toten Mannes besuchen darf. Daraus entwickelt sich eine exzellente Liebesgeschichte. Sie erzählt uns von der Veränderung jenes Patrick Wallingfords, der ein echter Don Juan ist und mit so vielen Frauen geschlafen hat, daß er sich nicht mehr an alle erinnern kann, zum neuen Patrick Wallingford, dessen Herz vom Pfeil der innigen Liebe durchbohrt wird.

Das Ergebnis ist, ich übertreibe nicht, ergreifend. Zurück bleibt mir ein Phantomschmerz ganz besonderer Art: kein neuer Roman, den ich hernach zwecks Prüfung vorgenommen habe, vermochte mich zu fesseln. Alle anderen Neuerscheinungen dieses Monats verflachen angesichts Irvings meisterlichem Roman.

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