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Tip des Monats April 2002

Alex Capus
Fast ein bißchen Frühling
Residenz
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Susanna
Erb
 
 
gebundenes Buch
 
 
 
 


Es gibt wieder einmal ein literarisches Kleinod zu bestaunen. "Fast ein bißchen Frühling" heißt es, und geschrieben hat es der 1961 in Frankreich geborene Alex Capus.
Seinen kleinen Roman werden wir höchst wahrscheinlich auf keiner Bestsellerliste finden, aber auf die Bestenliste gehört er, und zwar ganz weit oben.
Dieser Capus ist ein wunderbarer Erzähler, stilistisch mit dem Schweizer Peter Stamm (unser Tip des Monats September 2001) durchaus verwandt. Ganz leicht kann er von großen menschlichen Regungen schreiben, von Liebe, Sehnsucht, Verrat, Enttäuschung. Äußerst liebevoll und doch immer präzise.

Worum es geht? Zwei junge Männer aus Wuppertal sind arbeitslos geworden. Hitler hat soeben die Macht in Deutschland übernommen, aber die zwei sehnen sich nach dem großen Glück, nicht nach Komiss. Nach Indien wollen sie, ins Land der Freiheit, wie sie meinen. Aber woher das Reisegeld nehmen? Sie überfallen eine Bank, erschießen dabei den Filialleiter und sind urplötzlich Kriminelle.
Auf ihrer Flucht gen Süden machen sie in Basel Station, einer der beiden verliebt sich dort in eine Schallplattenverkäuferin. Um sie wiederzusehen, kauft er jeden Tag eine Tangoplatte, bald kommt es zum ersten Rendevous, das überaus harmlos ausfällt - nicht einmal der Versuch, die junge Frau zu küssen! Das erbeutete Geld geht zur Neige, ein weiterer Banküberfall wird notwendig, und wieder gibt es - leider - Tote. Bravourös zeichnet Capus diese Gangster, die eigentlich liebenswerte Jungs sind und doch selbst den Leser in Angst und Schrecken versetzen kraft ihrer Brutalität. Alex Capus hat diese Geschichte, die übrigens authentisch ist, auch wenn das eigentlich überhaupt keine Rolle spielt, recherchiert und große Literatur daraus gemacht. Dank an ihn und an den Residenz-Verlag.

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