rezensiert
von
Susanna
Erb

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Es
gibt wieder einmal ein literarisches Kleinod zu bestaunen. "Fast ein bißchen
Frühling" heißt es, und geschrieben hat es der 1961 in Frankreich geborene
Alex Capus.
Seinen kleinen Roman werden wir höchst wahrscheinlich auf keiner Bestsellerliste
finden, aber auf die Bestenliste gehört er, und zwar ganz weit oben.
Dieser Capus ist ein wunderbarer Erzähler, stilistisch mit dem Schweizer
Peter Stamm (unser Tip des Monats September 2001)
durchaus verwandt. Ganz leicht kann er von großen menschlichen Regungen
schreiben, von Liebe, Sehnsucht, Verrat, Enttäuschung. Äußerst liebevoll
und doch immer präzise.
Worum
es geht? Zwei junge Männer aus Wuppertal sind arbeitslos geworden. Hitler
hat soeben die Macht in Deutschland übernommen, aber die zwei sehnen sich
nach dem großen Glück, nicht nach Komiss. Nach Indien wollen sie, ins
Land der Freiheit, wie sie meinen. Aber woher das Reisegeld nehmen? Sie
überfallen eine Bank, erschießen dabei den Filialleiter und sind urplötzlich
Kriminelle.
Auf ihrer Flucht gen Süden machen sie in Basel Station, einer der beiden
verliebt sich dort in eine Schallplattenverkäuferin. Um sie wiederzusehen,
kauft er jeden Tag eine Tangoplatte, bald kommt es zum ersten Rendevous,
das überaus harmlos ausfällt - nicht einmal der Versuch, die junge Frau
zu küssen! Das erbeutete Geld geht zur Neige, ein weiterer Banküberfall
wird notwendig, und wieder gibt es - leider - Tote. Bravourös zeichnet
Capus diese Gangster, die eigentlich liebenswerte Jungs sind und doch
selbst den Leser in Angst und Schrecken versetzen kraft ihrer Brutalität.
Alex Capus hat diese Geschichte, die übrigens authentisch ist, auch wenn
das eigentlich überhaupt keine Rolle spielt, recherchiert und große Literatur
daraus gemacht. Dank an ihn und an den Residenz-Verlag.
Ronsdorfer
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