rezensiert
von
Christian
Oelemann

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Hans
Werner Kettenbach gehört zu den Autoren, die wir Ihnen bereits früher
an dieser Stelle ans Herz gelegt haben. Er kann, was wenige deutsche Autoren
können: erzählen statt zu verkünden. Und wie er das kann!
Mit seinem neuen Buch "Die Konkurrentin" beweist Kettenbach seine Kunst
in doppelter Hinsicht. Zum einen ist die ganze Geschichte glänzend erzählt,
zum anderen handelt sie von einem Mann, der selbst nichts anderes tut
als erzählen. Erzählung hoch zwei, könnte man sagen. Was für ein spannender,
köstlicher Roman!
Daß er in eine Zeit fällt, in der viel von Spendenskandalen und Korruption
die Rede sein muss, tut der Lesefreude keinen Abbruch. Die Ehefrau des
Erzählers bewirbt sich um das Amt des Oberbürgermeisters ( von Köln ?).
Dabei gerät sie in das schmierige Brackwasser von Machtmißbrauch und Intrigantentum.
Unser Erzähler, ein Arzt im Ruhestand, der zwar politisch nicht im selben
Lager denkt wie sie, unterstützt seine Frau nach Kräften und versucht
mit beinahe allen Mitteln, ihr die Enttäuschungen zu ersparen, mit denen
sie rechnen muß. Ganz Kettenbachs Genre also: Alltagskatastrophen, die
in Gewalt und Kriminalität ausufern.
So gesehen ist "Die Konkurrentin" ein Thriller über den politischen Zeitgeist.
Aber Kettenbachs Buch ist viel mehr. Ich behaupte, es ist ein psychologisches
Meisterwerk über die Liebe. Jawohl, "Die Konkurrentin" ist auch ein Liebesroman,
in dem ganz feine Bilder gezeichnet werden, so z.B das eines Siebzigers
zu seiner wesentlich jüngeren Frau, das zweier charakterlich sehr verschiedener
Schwestern, nicht zuletzt das eines herzensguten Opas und seinen Enkeln.
Hans Werner Kettenbach ist einer der ganz großen Schriftsteller unserer
Zeit. Viele wissen das nicht, und das ist schade. Sein neues Buch atmet
gleichermaßen Melancholie und verschmitzten Humor, es ist auf jeder Seite
spannend und ganz sicher eines meiner Lieblingsbücher des Jahres 2002,
ganz egal, was alles noch kommt.
Ronsdorfer
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