rezensiert
von
Christian
Oelemann

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Bodo
Kirchhoff hat schon etliche gute Romane und Erzählungen geschrieben. Im
Rampenlicht hat er damit allerdings nicht gestanden. Schade. Jetzt jedoch
ist er berühmt, dank Frank Schirrmacher von der FAZ.
Bodo Kichhoff? Da war doch was ... Ist das nicht der andere, der soeben
Marcel Reich-Ranicki ermordet hat?
Genau der ist es, und sein Buch ist unser Tip des Monats. Im Gegensatz
zu Martin Walsers "Tod eines Kritikers" ist "Schundroman" ein wirklich
großartiger Roman. "Warum tut lieben mehr weh als töten?" fragt sich Willem
Hold, ein Profikiller, eigens von den Phillipinen hergeflogen, um einen
Großindustriellen zu töten. Es ist gerade Messezeit in Frankfurt, und
der sympathische Mörder hat sich soeben in seine Sitznachbarin verliebt,
eine Edelnutte mit Herz, Nerven und einem kleinen Geheimnis, dessentwegen
sie Willem bittet, ihr einen im Flughafen auf sie wartenden Privatdetektiv
vom Leib zu halten. Was für ein Pech, daß Hold ausgerechnet den berühmtesten
deutschen Kritiker, der sich zufällig in der Flughafenbuchhandlung aufhält,
niederstreckt. Und damit hat sich das Thema MRR auch schon erledigt. Was
nun folgt, ist eine schrille Geschichte, sprachlich und inhaltlich bravourös
gemeistert
Hauptpersonen (in der Reihenfolge ihres Auftretens) :
Willem Hold, seinem Gefühl nach Anfang Zwanzig, in Wahrheit leider
älter; war seit zehn Jahren nicht mehr in Deutschland, aus gutem Grund,
reist jetzt an, um einen Mann zu töten.
Lou Schultz, Ende Zwanzig, verdammt schön; tut es für Geld und
hat bei der Gelegenheit einen Picasso abgestaubt; sitzt neben Hold im
Flieger nach Frankfurt, First Class.
Dr. Cornelius Zidona, begnadeter Akquisiteur, kann alles herbeireden,
vom kompletten Maschinenpark bis zur eigenen Männlichkeit.
Ollenbeck, neuerdings Schriftsteller, nur ein Buch und schon das
Männerwunder der deutschen Literatur.
Louis Freytag, Großkritiker, alterslos, wird aus Versehen getötet,
scheint danach immer noch auf die Pauke zu hauen.
Carl Feuerbach und Helene Stirius, beide früher im Polizeidienst,
heute Privatdetektive mit erstem Auftrag: einen verschwundenen Picasso
aufzuspüren, wohnen zwangsweise zusammen, siezen sich vorsichtshalber.
Johann Manfred ›Big Manni‹ Busche, um die fünfzig; hat schon als
Kind von riesigen Bohrern geträumt und inzwischen zig Millionen durch
Leasing-Geschäfte gemacht.
Vanilla Campus-Busche, zwischen dreißig und fünfzig, bis zu einem
legendären Ausrutscher Nachrichtensprecherin, danach Profi-Prominente
und schließlich die Gattin von Busche; hat gerade ihr erstes Buch veröffentlicht,
eine Sexfibel, Bodymotion.
Der Plot des "Schundromans" hat ein atemberaubendes Tempo, die Spannung
versiegt an keiner Stelle, auch wenn wir als Leser nie recht wissen, wo
wir uns gerade befinden: in einem Szenekrimi, einer Liebesgeschichte oder
einer Persiflage auf beides. Selbst nach dem großartigen "Showdown" auf
dem Gardasee, Kirchhoff betritt dabei selbst die Bühne, bleibt das ungewiß.
Zumindest gehen die Bösen zugrunde, die Guten jedoch, mit denen wir halten
wollen, haben eine wie auch immer geartete Zukunft. Ein Schundroman also,
der "Schundroman". Aber was für einer! Ich kenne keinen anderen deutschen
Schriftsteller, der sich dergestalt souverän in verschiedenen Genren -
und das innerhalb eines Textes - bewegen könnte wie Bodo Kirchhoff.
Ronsdorfer
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