rezensiert
von
Christian
Oelemann

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Was
für ein fulminanter Roman! Bereits in den Sechziger Jahren des vergangenen
Jahrhunderts in den Niederlanden erschienen, ist er so modern, wie ein
Meisterwerk nur sein kann. Thema: Das menschliche Selbstbewußtsein.
Nie zuvor habe ich dergestalt eklatant erlebt, daß mir bei einer
Lektüre Trauer einerseits und Gelächter andererseits zu gleicher
Zeit ins Gesicht geschrieben waren. "Held" der Geschichte ist
Alfred Issendorf, 25, Student der Geologie. Zusammen mit seinem norwegischen
Freund Arne und zwei weiteren Norwegern unternimmt er eine Expedition
in den äußersten Norden Norwegens. Alfred hat das Ziel, eine
Vermutung seines Professors Sibbelee zu beweisen und auf diese Weise zu
akademischem Ruhm zu kommen. Gleichzeitig hofft er darauf, seinen Vater,
der bei einer Exkursion von Biologen tödlich verunglückte, zu
rehabilitieren. Die Vermutung beinhaltet, daß das Vorkommen großer
Erdlöcher in dieser Gegend auf Meteoriteneinschläge zurückzuführen
sind. Zur Grundausstattung dieser Tour hätte er eigentlich Luftaufnahmen
des in Rede stehenden Gebiets nötig, die ihm auch zunächst zugesagt
worden waren. Der norwegische Professor Nummedal, ein Erzrivale seines
Doktorvaters Sibbelee, stellt sich jedoch stur, verweist ihn an andere
Institute, wo Alfred auch nicht fündig wird. Also zieht er mit Arne
und den beiden anderen ohne Luftaufnahmen los. Allerdings hat Issendorf
seine Kräfte unterschätzt. Es bereitet ihm schon in der ersten
Stunden enorme Anstrengungen, den Kollegen zu folgen. Die ersten Tage
werden ihm zur Tortur, seine Beine gehorchen ihm kaum noch, sein Körper
ist übersät mit Mückenstichen, und am schlimmsten schlägt
zu Buche, daß er im Land der Mitternachtssonne nicht schlafen kann.
Wach, jedoch erschöpft, stellt Alfred z.T. hanebüchende Überlegungen
über das Leben an, über die Welt, über Gott, vor allem
aber über sich selbst. Was ist das eigentlich, Selbstbewußtsein?
Willem Frederik Hermans
ist einer der bedeutendsten Schriftsteller der Neuzeit. Schon sein Roman
"Die Dunkelkammer des Damokles" (Tip des Monats Oktober 2001)
begeisterte mich über die Maßen. Mit "Nie mehr schlafen"
liegt nun endlich der zweite ganz große Wurf auf Deutsch vor. Zu
loben (wie schon zuvor) auch die hervorragende Übersetzung von Waltraud
Hüsmert.
Ronsdorfer
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