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Mit
dem Beginn des neuen Jahres möchte ich auf eine alte Tradition unserer
Institution "Tip des Monats" zurückkommen und Ihnen ein Meisterwerk
ans Herz legen, das nun wirklich nicht neu ist, leider jedoch noch immer
nur den wenigsten bekannt: Pnin. Vladimir Nabokov schrieb diesen hinreißenden
Roman bereits 1957, und damit Sie einen Eindruck bekommen, wer Pnin ist
und wie Nabokov schreiben kann, zitiere ich den Beginn des Werks: "Der ältere Reisende, der da auf der Nordfensterseite jenes unerbittlich dahinrollenden Eisenbahnwagens saß, neben sich einen leeren Sitzplatz und zwei leere gegenüber, war niemand anderer als Professor Timofey Pnin. Vollkommen kahl, sonnengebräunt und glattrasiert, wie er war, begann er recht imposant: mit seiner großen braunen Kuppel, einer Schildpattbrille (die verdeckte, daß ihm wie einem Kind die Augenbrauen fehlten, einer gorillahaften Oberlippe, einem dicken Hals und einem Athletenrumpf in einer ziemlich eng sitzenden Tweedjacke - endete dann jedoch einigermaßen enttäuschend mit einem Paar spindeldürrer (jetzt flanellumhüllter und übereinandergeschlagener) Beine und zerbrechlich wirkenden, fast femininen Füßen." Der Professor sitzt übrigens im falschen Zug, nicht nur in dieser Szene. Ich verspreche Ihnen, so Sie sich auf dieses Meisterwerk einlassen, ein Feuerwerk literarischer Komik. Sie werden ihn mögen, diesen etwas trotteligen Professor für russische Literatur, der sowohl von seinen Studenten als auch von seinen Kollegen an der amerikanischen Provinzuniversität wohlwollend belächelt wird. Englisch wird er wohl nie richtig lernen (traumhaft, wie Ulrich Matthes den liebenswerten Kauz in Szene setzt!), und seine Forschungen kommen auch nicht zu den gewünschten Ergebnissen, weil er ständig mit der Tücke des Alltags zu kämpfen hat. Und mit Lisa, seiner Ex-Frau, die ihn bereits wenige Wochen nach der Hochzeit sitzengelassen hat und mit einem Psychiater durchbrannte. Der aus dieser Beziehung entstandene Sohn Victor wächst in Internaten auf, bis sich Lisa eines Tages in den Kopf setzt, Pnin könne finanziell für ihn aufkommen. Und da er ein gutmütiger Bär ist, unser Pnin, lässt er den Sohn seiner Frau ruhig kommen. Erzählt wird die Geschichte übrigens von einem früheren Bekannten Timofeys - ein literarischer Trick, denn die beiden haben sich 40 Jahre nicht gesehen, dieser Bekannte kann also gar nicht wissen, was er berichtet. Das ist Weltliteratur, liebe
Freunde. Beginnen Sie das neue Jahr doch mit Schmunzeln und Lachen. Gönnen
Sie sich den Pnin, genießen Sie die sprachliche Virtuosität
des Genies Vladimir Nabokov, indem Sie lesen oder indem Sie hören
- oder beides!
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