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Tip des Monats Februar 2003

Martin Mosebach
Das Bett

DTV
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Christian
Oelemann
 
 
gebundenes Buch
 
 
 
 


Die meisten von Ihnen werden den Namen Martin Mosebach nicht kennen - mir ging es bis vor kurzer Zeit ebenso, d.h., ich kannte, Buchhändler, der ich bin, zwar den Namen, hatte aber nie etwas von ihm gelesen. Das ist jetzt zum Glück anders geworden, denn dtv hat eine Taschenbuchausgabe seines Romans „Das Bett" herausgebracht, die mich schon wegen des Covers begeisterte. Lese ich also mal diesen Mosebach, der im abgelaufenen Jahr sogar den Kleist-Preis bekam, und den mir ein Freund meiner Frau ohnehin schon lange anempfahl.

Das Bett. Ein Roman, wie ich selten einen genossen habe. Ehrlich! Wer dieses Buch meiner Meinung nach nicht lesen sollte:
1) Leser, die eine flott geschriebene, stringente Story bevorzugen. Flott ist „Das Bett" nämlich nicht. Kunst ist nicht flott.
2) Leser, die sich über lange Sätze ärgern. Ja, das Mosebachsche Formulierungsfüllhorn beschert uns ein ums andere Mal Sätze, die die Länge einer Seite überschreiten.
3) Deutschlehrer.

Worum geht es also im „Bett"? Etwa um Sex? Jawohl, das auch. Aber es befindet sich nicht eine „Stelle" in diesem köstlichen Roman, die den Kardinal Ratzinger ins Schwitzen bringen würde.

Stephan Korn kehrt bei Kriegsende nach Frankfurt am Main zurück, findet eine fremde, schrecklich veränderte Welt vor. Wie ein Oblomow flüchtet er sich in das Bett seiner ehemaligen Kinderfrau Agnes, wo er sich kindlichen Regressionen hingibt. Nach wie vor schlägt die Amme den deutsch-jüdischen Fabrikantensohn in den Bann ihrer magischen Kräfte. Aber auch zwiespältige Gefühle stellen sich ein. Auf seine Umgebung wirkt Stephan betörend – und Agnes ist nicht die einzige Frau, die sein Leben entscheidend beeinflußt. Da ist zum Beispiel noch Florence, die aus falschen Indizien die richtigen Schlüsse zu ziehen pflegt, und die schöne, wilde Baltin Aimée, mit der Stephan eine heftige Affäre eingeht. Nur das kleine Engagement, andere wirklich zu lieben, schafft er nicht. Mattigkeit umgibt ihn.
Sowenig nur zum Inhalt.

Und jetzt fahre ich schweres Lobgeschütz auf: Ich liebe die deutsche Sprache, und ich kenne keinen lebenden deutschen Autor, der so virtuos mit ihr umgehen kann, wie dieser Mosebach.. Thomas Mann, Albert Drach, Albert Vigoleis Thelen sind tot - literarisch nicht, aber de facto. Mosebach lebt, ist ein junger Fünfziger, hat hoffentlich noch viel Zeit, mich mit seiner Formulierungsvirtuosität zu überwältigen. Diese fein gesponnene Prosa ist voll von Wortschöpfungen, die man sich notieren möchte. Ein Witz steckt in ihr, der mich zum Platzen bringen kann.

Freuen Sie sich auf ein langes und berauschendes Lesefest dank Martin Mosebach!



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