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Tip des Monats Mai 2003

Antonia S. Byatt
Geschichten von Feuer und Eis

Insel
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Susanna
Erb
 
 
gebundenes Buch
 
 
 
 


Ich lese sie gerne: Geschichten, Erzählungen, Kurzprosa, kleine literarische Einheiten: Hier, in diesem Buch, "Feuer und Eis", mal von sieben (Minimum), mal von 52 Seiten Länge (Maximum) werden Leben und Tod, Farbe und Licht, Sinnlichkeit und Liebe großartig in Szene gesetzt.
Antonia S. Byatt ist eine hervorragende, mehrfach ausgezeichnete britische Literatin, auf die ich Sie aufmerksam und neugierig machen möchte.
Byatt präsentiert uns eine Mischung von teils realistischen, teils märchenhaften Geschichten, die wunderbar bildreich und poetisch und vor allem fesselnd sind.

Eine Frau verlässt ihren Mann nach seinem plötzlichem Tod während eines gemeinsamen Galerie-Besuchs, um unbemerkt ins Ungewisse aufzubrechen, sich an irgendeinen Ort treiben zu lassen. In der zufälligen Begegnung mit einem Schicksalsgenossen und der gemeinsamen Entschlüsselung der jeweiligen Lebenslügen sucht sie neue Ankunft.

Ein Maler versucht, sich in den richtigen Farben und deren Widergabe zu verwirklichen; er ist in die Einsamkeit der Cevennen geflohen, wo er sich ein neues Zuhause erhofft, ein Anwesen, dessen Mittelpunkt ein nach seinen Vorstellungen, vor allem Farbvorstellungen gebauter Swimmingpool ist, in dem er eines Tages Lamie, einer wunderschön schillernden, verzauberten Schlange mit menschlichen Zügen begegnet. Während es ihr um Erlösung geht, reizt sie den Maler nur als Kunstobjekt, das er zeichnen möchte. Aber dabei bleibt es natürlich nicht.

Dann entführt uns Byatt ins Land der Märchen, in die Welt einer Eisprinzessin, die sich in einen Wüstenprinzen verliebt und, ihr Element verlassend, ihm in dessen Land folgt. Allein die Liebe ermöglicht die Erschaffung einer Welt, in der sie beide leben können. Stark!

In einer weiteren, sehr kurzen Geschichte erleben wir den Fall einer wohlhabenden Frau: Binnen weniger Stunden wird sie aufgrund tragischer Ereignisse zu einer aus der Gesellschaft verbannten, ihrer Würde beraubten Person.

Auch in den letzten beiden Geschichten läßt uns Byatt in die Wirklichkeit schauen, in der sie mal erwachende Kindheitserinnerungen, mal eine biblische Botschaft in den Mittelpunkt rückt.

Immer wieder spielt Kunst eine entscheidende Rolle in Byatts Geschichten: Das Arrangement der Wirklichkeit in Bildern und Objekten, das Einfangen und Verewigen der Farben, eine Welt, in der die Grenzen zwischen Wahrheit und Phantasie verschwimmen, sich überschneiden, eine Welt mit mehreren Ebenen.
Diesen Inhalt faßt Byatt in entsprechend malerische Worte, die mal tanzen, mal klirren, mal knistern, mal singen, und für jeden ist etwas dabei: Ein Häppchen Traum, ein Bissen Realität oder ein Menü aus beidem. Bon appétit!



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