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Tip
des Monats Juli 2003
Markus
Orths |
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Auf
Markus Orths wurde ich erstmals aufmerksam, als sein wunderbar witziges
Buch "Wer geht wo hinterm Sarg?" erschien. Im Grunde einen eigenen
Tip des Monats wert. Aber jetzt ist mir "Lehrerzimmer" begegnet,
und das ist ein kleiner Roman, der es dermaßen in sich hat - ich kann
nur schwärmen. Lange schon habe ich mich nicht mehr so amüsiert,
obschon .... Obschon es eigentlich ein trauriges Buch ist . Oder nein, "Lehrerzimmer" ist ein unglaublich komisches Buch über einen traurigen, einen beklagenswerten Zustand, über die Bildungsmisere in Deutschland, die dank Pisa endlich Thema geworden ist. Und wenn Sie zu denen gehören, die am liebsten die Lehrer für das erbärmliche Bildungsniveau unserer lieben Heranwachsenden verantwortlich machen, dann werden Sie nach der Lektüre dieses Buches zumindest nachdenklich, ich verspreche es Ihnen. Ich-Erzähler und Held der Geschichte ist Studienassessor Kranich, der bereits an seinem ersten Diensttag von Oberstudiendirektor Höllinger eingebläut bekommt, auf welchen vier Säulen das deutsche Schulsystem fußt: Angst, Jammer, Schein und Lüge. Jeder in der Schule lüge, zuallererst er, der Direktor. Und schon ist er mittendrin, der arme Kranich, der eigentlich guten Englisch- und Deutschunterricht geben will. Muß sich mit Schulamtspolizisten auseinandersetzen, mit konspirativen Gruppen, die das Schulsystem zu unterminieren trachten, leider alles andere als konsequent, denn der eigene Job will letztendlich doch gesichert sein. In einer Rezension las ich: "Der furiose Parforceritt des gelernten Lehrers Markus Orths zwischen hintersinniger Wortakrobatik und Lehrerscherzen, zwischen Slapstick und Sarkasmus macht schwindlig wie der Blick in einen Abgrund oder der Gedanke, diese Satire könnte die Wirklichkeit berühren." Sie berührt nicht nur die Wirklichkeit, sie ist es längst. Wir sollten nicht schwindelig werden, auch nicht schwindeln, wir sollten das Buch lesen, weiterempfehlen, nicht nur Lehrern, die gewiß beinicken werden, sondern unseren Bekannten, Freunden, Liebsten. Markus Orths hat einen Roman geschrieben, der auf höchst vergnügliche Weise vor Augen führt, was faul ist - nicht im Staate Dänemark (ich bin in Dänemarkfragen nicht kompetent), sondern in unserer Bundesrepublik Deutschland. Es gibt viel zu verändern. Fangen wir mit Lesen an.!
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