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Tip
des Monats April 2004
Miguel Delibes |
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Seit 1996 gibt es unsere „Tips des Monats“, und in diesen acht Jahren war nur einmal ein spanisches Buch Gegenstand unserer Empfehlung, nämlich Antonio Munoz Molinas „ Die Augen eines Mörders “ im Oktober 2000. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle die Gründe zu erörtern. Miguel Delibes wunderbarer Roman „Mein vergötterter Sohn Sisi“ kommt mir alles andere als spanisch vor, auch wenn es ein durch und durch spanisches Buch ist, das in Spanien spielt und von Spaniern handelt. Ein glänzendes Buch! Ein witziges Buch, auch wenn das Erzählte eine der dunkelsten Ären der europäischen Geschichte entkleidet, die des spanischen Bürgerkriegs. Aber das nur nebenbei, denn im Vordergrund demontiert Delibes männliche Eitelkeit und Selbstgefälligkeit auf so köstliche Weise, dass Alice Schwarzer ihm eigentlich einen Dankesbrief hätte schreiben müssen. Nun, vielleicht hat sie ja ... Die Geschichte beginnt 1917. Cecilio Rubes ist Erbe einer Sanitätswarenfabrik, zu etwas anderem hat er es nicht gebracht oder bringen müssen. Darob hadert er mit sich, was ja noch angeht, hadert aber noch stärker mit seiner Ehefrau, weil er sich einbildet, sie sei für seine innere Leere verantwortlich. Er, der nie Kinder wollte, besteht plötzlich auf der Herstellung eines Sohnes „Sisis“ Geburt ist eine äußerst schwierige und schmerzensreiche, allerdings nicht für Cecilio, der es vorzieht, den Vorgang trinkend und rauchend außerhalb zu verbringen. Dann aber ist er da, der vergötterte Sohn, wird vom Vater vereinnahmt und verwöhnt und frei nach der Devise «Erziehung ist doch nur etwas für Arme» auch gegen die Mutter in Schutz genommen. Sisi wächst zu einem egozentrischen Genussmenschen heran, immer vom Vater unterstützt, der erst an seine Toleranzgrenzen stößt, als der Filius bei seiner Geliebten die besseren Karten hat, somit zum Nebenbuhler wird. Mehr möchte ich über den Inhalt nicht verraten. Was diese köstliche Geschichte zu einem Meisterwerk macht, ist die ironisch-distanzierte Erzählhaltung Delibes. Gönnen Sie sich diese Lesefreude! Diesen Roman lesen Sie nicht nur einmal! Ronsdorfer Bücherstube, Staasstraße 11 , 42369 Wuppertal Telefon : 0202 / 246 16 03 Fax : 0202 / 246 16 04 |