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Tip
des Monats Juli 2004
Sándor Márai |
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Mit "Die Glut" ist Sandor Marai vor fünf Jahren etwa in Deutschland beinahe über Nacht berühmt geworden. Aber auch "Esther" eroberte die Bestenlisten der Literatur. Ehrlich gesagt, nach seinem letztem Roman in deutscher Übersetzung, "Wandlungen einer Ehe", hatte ich mir zunächst nicht vorstellen können, dass ich in absehbarer Zeit ein Werk des Meisters aus Ungarn zum Tip des Monats machen würde. Zu behäbig, zu gewollt war das Buch geraten. Aber jetzt: "Die Nacht vor der Scheidung" !!! Ein Meisterwerk, ich behaupte, das beste Buch Marais. Eine dríngende Empfehlung an alle, die sich für Zwischenmenschlichkeiten und deren Begleitunfälle interessieren. Auf äußerst spannende Art und Weise protokolliert der Autor fünfzehn Stunden einer schwülen Sommernacht, in der man das Gewitter geradezu herbei sehnt. Und es kommt auch, allerdings nicht in Form von Regen und Blitz, sondern durch eine unverhoffte Begegnung, die zur Sezierung einer Lebenslüge führt. Richter Kömüves, ein Ausbund an Korrektheit, kehrt müde und verschwitzt von einer Abendgesellschaft zurück. Daheim erwartet ihn unverhofft Besuch. Sein alter Schulfreund Greiner sitzt da, will dringend mit ihm reden. Am nächsten Tag soll die Ehe zwischen Imre und Anna Greiner geschieden werden, und zwar vom ehrwürdigen Richter Kömüves höchstselbst. Dass dieser einst beinahe der schönen Anna verfallen war und nur seine an Feigheit grenzende Tugendhaftigkeit ihn vor einem gesellschaftlichen Desaster rettete, ist längst von der relativierenden Wirkung der Zeit unschädlich gemacht. Die Verhandlung kann nicht stattfinden, weil ich heute meine Frau getötet habe. Und ich bin gekommen, weil ich dir alles erzählen will.« Was nun zur Sprache kommt, rüttelt mächtig an den Grundfesten des Bidermanns Kömüves, denn es stellt sich heraus, dass die Ehe der Greiners nicht an der Unmöglichkeit der Ehe an sich gescheitert ist, sondern als Spätfolge jener Begegnung zwischen Anna und dem damals noch jungen Juristen. Damals nämlich hatte sich Anna leidenschaftlich in Christoph verliebt und sich nie davon erholt, anders als der Karrierist und Saubermann Kömüves. Gibt es eigentlich "Schuld" in Liebesdingen? Eine Frage, der Marai in beinahe allen seinen Werken nachgegangen ist. Hier hat er das Thema perfektioniert. Ein Roman von der Güte der besten Kunderas! Ronsdorfer Bücherstube, Staasstraße 11 , 42369 Wuppertal Telefon : 0202 / 246 16 03 Fax : 0202 / 246 16 04 |