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Tip des Monats August 2004

Borger & Straub
Im Gehege

Diogenes
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Michael
Gebauer
 
 
gebundenes Buch
 
 
 
 


Das Duo Borger & Straub! Die beiden Autorinnen wohnen viele hundert Kilometer voneinander entfernt und dennoch kommt ihre Literatur wie aus einem Guss daher. Großartig! Zu ihren Erfolgen zählten bislang „Katzenzungen“ und „Kleine Schwester“. Mit „Im Gehege“ legen sie nun einen Kriminalroman vor, der es erst recht in sich hat.

Da ist er nun: Jon Ewermann, Lehrer, Anfang Fünfzig, heimlicher Liebhaber. Gleich zu Beginn des Romans verliert er seine Frau. Nach einem Streit stürzt sie angetrunken die Haustreppe hinunter und bricht sich das Genick.

Ihr gemeinsames Ehe- und Zusammenleben war im Grunde nur noch als Groteske zu verstehen. Seit Jahren hat Ewermann ein Verhältnis mit einer jüngeren Kollegin.

Da er dem Tod seiner Frau mit ungewöhnlicher Kühle und Distanziertheit begegnet, fragt man sich als Leser unweigerlich, ob er dem Sturz nicht vielleicht doch auf irgendeine Weise Vorschub geleistet hat. Aber wie? Die Geräusche des Aufpralls vernahm Ewermann eindeutig im Wohnzimmer sitzend. Man fühlt sich prompt schäbig, diesen Verdacht gehegt zu haben.

Gut gemacht, liebe Autorinnen!

Denn Ewermann ist doch so gesehen ein ganz sympathischer Zeitgenosse, der sein Leben und seine Zukunft nach eigenen Vorstellungen gestalten will. Der alerte Fünfziger, der stets bereit ist, Nachbarn, Freunden, und Schülern sein Ohr zu leihen, hat als Romanfigur noch mehr zu bieten. Indem seine Symphathiewerte beim Leser sinken, wirkt er nur noch kraftvoller Durch die Lebensversicherung seiner Frau begünstigt, versucht er die Fesseln seines Daseins zu sprengen. Wer könnte ihm das vorwerfen? Allerdings begeht er dazu einige Taten, über deren Kenntnis die Kriminalpolizei höchst erfreut wäre - mehr sei nicht verraten.

Wunderbar, wie Ewermann es schafft, vor seinem Gewissen als integerer Charakter zu bestehen.! Als er die schlimmsten Widrigkeiten umsegelt zu haben scheint, stellt sich ihm jedoch ein entscheidendes Problem in den Weg.: Selbstzweifel! Seine mühsam aufgebaute Fassade erhält Risse ...

Borger & Straubs Sprache ist angenehm ungekünstelt. Ihre Beobachtungsgabe der menschlichen Psyche benebst ihrer Wirrungen ist grandios! Wie sich die anfängliche Sympathie für Ewermann sukzessive in ihr Gegenteil verkehrt, ist meisterhaft in Szene gesetzt!

Dass dann aber das Ende von „Im Gehege“ unter Umgehung alt bekannter Krimiklischees einen echten Knaller bietet: Superb!


Und damit bleibt mir nur noch zu wünschen: Viel Spaß beim Lesen !



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