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Tip
des Monats September 2004
Markus Werner |
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Ein jüngst erschienener Roman hat mich dermaßen begeistert, dass ich mir Mühe geben muss, nicht gar zu euphorisch über ihn zu schreiben, denn das macht bekanntlich misstrauisch. Sein Titel: Am Hang. Der Autor: Markus Werner. Werner, der heute in Schaffhausen lebt, wurde 1944 im Thurgau geboren und debütierte vergleichsweise spät als Vierzigjähriger mit „Zündels Abgang“ –damals war ich auf Anhieb sein Fan. Weitere großartige Romane folgten, allesamt in höchstem Maße lesenswert. Nun aber sein siebter, und ich überrasche sicher nicht mit meiner Behauptung, sein bislang bester. „Am Hang“ also. Selten habe ich es als so schwierig empfunden, vom Inhalt zu erzählen, ohne zu viel vorwegzunehmen. Im Grunde reicht der Klappentext des Buchs diesmal vollkommen aus. Ein Lob an den S. Fischer Verlag also, denn meist ärgern mich die Klappentexte, weil sie entweder nichtssagend sind oder zu viel verraten. Da ich Sie allerdings jetzt und hier für dieses Meisterstück ködern möchte, versuche ich es dennoch auf eigene Faust, denn was wäre das für ein Tip des Monats, wenn ich Ihnen einfach den Klappentext widergäbe? Zwei weintrinkende Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten, enthüllen einander ihre Lebens – bzw. Liebesgeschichten. Der Zufall hat sie an den selben Tisch eines Restaurants im Tessin gebracht. Beide sitzen nicht zum ersten Mal dort, beide waren vor Jahresfrist schon einmal mit einer Frau dort gewesen. Der eine ist Anfang 50 und Witwer, heißt Thomas Loos und unterrichtet an einem Gymnasium. Der andere ist Mitte 30, eingefleischter Junggeselle mit Namen Thomas Clarin und arbeitet als Scheidungsanwalt. Nicht nur deshalb kommt für ihn eine Ehe niemals in Frage. Er liebt die Frauen zu sehr en gros, als dass er sich mit einer einzigen en détail begnügen könnte. Loos hingegen hat nach dem Tod seiner Einzigliebe mit der Welt abgeschlossen. Ihr ist er über den Tod hinaus treu, und die hedonistische Lebensweise des Jüngeren regt ihn auf, verleitet ihn zu herrlich pessimistisch-philosophischen Monologen, die sicher auch Thomas Bernhard zu schätzen gewusst hätte. Clarin kann sich lange Zeit nicht entscheiden, ob er Loos mag oder nicht. Auf alle Fälle geht von dem Älteren ein Sog aus, man muss ihm einfach zuhören. Schon das reicht, um „Am Hang“ durchweg zu genießen. Nun aber kommt noch eine kriminalistische Nuance ins Spiel. Clarin beschleicht miteins der Verdacht, der trauernde Witwer könnte am Tod seiner Gattin nicht unschuldig gewesen sein und beginnt zu bohren ... Das ist meisterliche Prosa voller Wortwitz und Intelligenz! Ich rate Ihnen: Gönnen Sie sich dieses Vergnügen! Ich wette, es wird nicht ihr letztes Markus-Werner-Buch sein. |