rezensiert
von
Christian
Oelemann

|
Lieber Maarten `t Hart,
herzlichen Glückwunsch zum 60sten! Bleiben Sie gesund!
Gern hätte ich Ihnen eine Rose gereicht, oder was schenkt man einem Schriftsteller, den man seit Jahren verehrt und wieder und wieder liest?
Nun, die Rose würde die Fahrt nach Maassluis, wo Sie meines Wissens wohnen, kaum überstehen. Aber vielleicht freut sie, dass ich Ihren neuen Roman „In unnütz toller Wut“ zum Tip des Monats November erkläre. Zum dritten Mal ist eines Ihrer Bücher auf unserer Liste – das hat vor Ihnen noch keiner geschafft!
In den Niederlanden heißt es übrigens schlicht „Lotte Weeda“. Der Piper Verlag hat für die deutsche Ausgabe ein klangvolles Zitat aus „Die Meistersinger von Nürnberg“ gewählt - gute Idee, finden Sie nicht? Nach dem „Wüten der ganzen Welt“?
Das Buch beginnt bereits mit einem Knaller. „Zieh dich schon mal aus!“ „Ganz?“ „Stell keine Fragen, deren Antwort du kennst!“ Was zunächst wie eine erotische Szene anmutet, entpuppt sich als Modell-Stunde. Der Erzähler posiert für eine befreundete Malerin. Und diese Szene ist gleichsam Modell für die vergnüglich-schaurige Handlung, die sich nun entspinnt: Lotte Weeda platzt herein in den Akt, eine junge, selbstbewusst auftretende Ostinderin. Sie fotografiert, plant einen Band, der die 200 markantesten Persönlichkeiten des kleinen, durch und durch katholischen Orts Monward darstellt. Schon im Herbst soll er erscheinen.
Einige Auserwählte fühlen sich geschmeichelt, lassen sich gern ablichten. Andere sind gar nicht begeistert von diesem Plan. Besonders vehement weigert sich Taeke Gras, der sein Gesicht keinesfalls mit einem Stück Papier teilen möchte (was für ein Gedanke!). Aber Lotte hat besondere Kräfte und bekommt sukzessive von allen, was sie will. Auch von Abel, dem Grafen, den Lottes Auftauchen völlig aus der Bahn wirft. Er ist miteins davon überzeugt, seine Kinder seien nicht von ihm sondern von den angeblichen Liebhabern seiner Frau. Immer groteskere Formen nimmt sein Wahn an – bis er stirbt. Und nicht nur er: Ein Porträtierter nach dem anderen kommt zu Tode. Stetig wächst die Hysterie in Monward. Das Abgebildetsein als Memento Mori – so etwas fällt keinem anderen als Ihnen ein, Maarten.
Wirklich unglaublich gut komponiert, Weltklasse! Und die Art und Weise, wie neben leise thrillender Handlung die gallige Weltsicht des Autors transportiert wird, begeistert mich darüber hinaus. In Ronsdorf werden Sie viele Leser finden, lieber Jubilar. Vielleicht sehen wir Sie ja mal bei uns vor Ort. Ich kümmere mich darum!
Noch einmal wünsche ich Ihnen Bestes zum neuen Lebensjahrzehnt!
Ihr in nützlich toller Lesewut geneigter
Christian Oelemann
Ronsdorfer
Bücherstube, Staasstraße 11 , 42369 Wuppertal
Telefon : 0202 / 246 16
03
Fax : 0202 / 246 16 04
|