Tip des vorherigen MonatsChronologische Liste der RezensionenTip des folgenden Monats
 

Tip des Monats Dezember 2004

Axel Marquardt
Rosebrock

Kunstmann
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Christian
Oelemann
 
 
gebundenes Buch
 
 
 
 


Sollten Sie sich noch gar nicht recht in weihnachtlicher Stimmung befinden, liebe Leser, dann habe ich was für Sie: „Rosebrock“, geschrieben von keinem geringeren als Axel Marquardt, der Ihnen gewiss noch aus seiner Zeit bei Haffmanns ein Begriff ist. Einen witzigeren Schriftsteller haben wir zur Zeit nicht.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: „Rosebrock“ ist alles andere als weihnachtlich. Wenn Sie jedoch am Ende der Lektüre angekommen sind, werden Sie sich nach der Beschaulichkeit von Plätzchentellern und Kerzenschein geradezu sehnen, denn zuvor haben Sie viel mitgemacht ...

Berthold Rosebrock ist Bänker in Köln. Am Tag vor seinem dreiundvierzigsten Geburtstag geht ihm plötzlich ein Licht auf: dass er nämlich eine Niete ist, eigentlich in jeder Hinsicht. Anlass für Rosebrocks Selbsterkenntnis ist der Umstand, dass seine Frau sich beide Hände verbrüht hat. Wer soll ihm jetzt die Krawatte binden? Und einmal damit begonnen, sich zu bespitzeln, merkt er, dass er auch die Apparate im Haushalt nicht bedienen kann. Vom Einkaufen ganz zu schweigen.
In diese ernüchternden Gedanken hinein platzt die Einladung zu einem Klassentreffen in Gummersbach. Zwanzig Jahre Abi! Rosebrock sagt zu und begibt sich wenige Tage später auf eine Odyssee, die ihn in ein Spielcasino und in fremde Betten führt. Kurzfristig wird er zum Hundebesitzer und serbokroatischen Honorarkonsul in Bergisch Gladbach. Whiskey schmeckt ihm plötzlich besser als ihm gut tut. In der Folge wird er Opfer eines dubiosen Hobbypsychologen, kommt jedoch seiner Frau so nahe wie nie zuvor und erkennt gleichzeitig, dass die Trennung von ihr nicht zu vermeiden ist.

Marquardts Witz ist schlicht ohnegleichen in der aktuellen Literaturszene. Mit leichter Feder treibt er die Handlung voran und bereitet in dem Moment, in dem Rosebrock und der Leser gleichermaßen glauben, Luft holen zu dürfen, den nächsten Überraschungsschlag vor.

Und was die Tauglichkeit als Geschenk betrifft: Lassen Sie sich dieses Buch nicht einpacken sondern legen Sie es einfach so, wie es ist, unter den Baum. Michael Sowas kongeniale Umschlaggestaltung schafft garantiert die richtige Atmosphäre.



Ronsdorfer Bücherstube, Staasstraße 11 , 42369 Wuppertal 
Telefon : 0202 / 246 16 03 
Fax : 0202 / 246 16 04