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Tip des Monats Januar 2005

Christophe Dufossé
Letzte Stunde

DuMont
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Christian
Oelemann
 
 
gebundenes Buch
 
 
 
 


Wieder einmal Schule, liebe Leser. Aber dieser Roman hier ist anders als alles, was sie zum Thema kennen.
Nicht erst seit Erfurt ist die Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen, speziell unter Schülern, ins Bewusstsein der Öffentlichkeit geraten. Die Aggressivität stech – und schießbereiter Pubertanden reicht nach jedem Vorfall ein paar Tage für bunte Schlagzeilen, bevor das Thema rasch wieder in Vergessenheit gerät.
Diesem bedauerlichen Phänomen hat Christophe Dufosse etwas Bleibendes entgegengestellt, ohne den Zeigefinger auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu richten. Er beobachtet genau und berichtet mit der Klugheit eines Menschen, der Mensch geblieben ist. Grandios!
„Letzte Stunde“ wurde in Frankreich zum besten Debut des Jahres gewählt. Ich weiß, warum. Es ist hervorragend! Christophe Dufossé hat ein ungemein heißes Eisen nicht etwa wie Grisham oder Kerr in einem spannenden Thriller verarbeitet– nein, er hat sich herausgenommen, ganz große Literatur daraus zu machen. Sowohl die Komposition wie auch die fein geschliffene Sprache, zu der im vorliegenden Fall natürlich auch die Übersetzerin Claudia Steinitz entscheidend beigetragen hat, begeistern mich von der ersten Seite an.
Gleich am Anfang gibt es einen Toten. Ein junger Lehrer ist aus dem Fenster gefallen. Dessen Klasse, die 7 f, wird von Pierre Hofman übernommen. Er stellt rasch fest, dass hier etwas nicht stimmen kann. Diese Vierzehnjährigen verhalten sich anders als normale Jugendliche, sie sind überkorrekt, sie sprechen wie Erwachsene. Es geht etwas Bedrohliches von ihnen aus.
Eine Klassenfahrt wird geplant, und die Schülerin, die Hofman heimlich warnt, er dürfe unter keinen Umständen mitfahren, erscheint anderntags mit zerschnittenem Gesicht, verrät allerdings nicht, wer ihr das angetan hat.
Die Klassenfahrt findet statt, und man ahnt, dass es zum Äußersten kommen könnte ...
Man soll das Wort Meisterwerk sparsam im Munde führen – so heißt das erste Gebot des Kritikers. Hier aber ist es – mit Verlaub – am Platz!



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