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Tip
des Monats März 2005
Yasmina Reza |
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Neulich wurde ich nach meinen Lieblingsschriftstellerinnen gefragt und ärgerte mich insgeheim. Was spielt denn das Geschlecht für eine Rolle, wenn es darum geht, ob Literatur großartig ist oder nicht? Aber ich verkniff mir mein Gemäkel und nannte spontan drei Namen:Karen Duve, Connie Palmen und Yasmina Reza. Letztere hat soeben wieder einmal ein echtes Juwel herausgebracht, bei Hanser – versteht sich. „Adam Haberberg“. Die traurige und doch komische Geschichte erzählt von einem wenig erfolgreichen Groschenromanschriftsteller Ende der 40, der an einem Glaukom erkrankt ist und die Blindheit fürchtet. Was für ein unglücklicher Kerl, der sich in Selbstmitleid aalt, weil auch alle anderen Parameter seines Lebens nicht zu stimmen scheinen. Seine Frau nimmt ihn nicht ernst, sucht geradezu den Streit, seine Kinder nörgeln an ihm herum, sein Freund hebt sich über ihn. Und wie er so dasitzt und sein ganzes Elend bebrütet, auf einer Parkbank im Zoo, sozusagen zum Abschuss frei gegeben, trifft ihn eine Klassenkameradin von einst. Zwanzig Jahre nicht gesehen. Sie nötigt ihn geradezu, mit ihr zu kommen, sie will für ihn kochen und plaudern, natürlich über die alten Zeiten. Marie-Therese ist Vertreterin für Souvenirs, liebt perfekt eingerichtete Küchen und ist auch sonst nach Kräften langweilig. Im Grunde haben die beiden sich nichts zu sagen und Adam fragt sich immer wieder, warum er sich auf dieses Omelette eingelassen hat. Marie-Therese kramt ein altes Klassenfoto heraus und als sie ihm nach dem Dessert auch noch einen alten Brief einer Schulfreundin zeigt, in die Adam damals sehr verliebt war, tritt Haberberg die Flucht an. "Adam Haberberg" ist kein herkömmlicher Roman mit Einführung, Mittelteil, Schluss. Vielmehr entfaltet sich hier ein kunstvolles Mosaik aus Gedankenfetzen, Dialogen per Handy, Reflexionen über das Leben an sich, Erinnerungen an die Kindheit, die plötzlich so präsent sind, als sei keine Zeit vergangen. Diese Reza kann mit Sprache umgehen wie sehr wenige, und am meisten fasziniert mich an ihren Theaterstücken und Romanen, dass Tragödien zu Komödien mutieren, Entsetzen und Bedrückung durch Gelächter erstickt werden. Yasmina Reza an einem runden Tisch mit Thomas Bernhard und Woody Allen – das Bild hat Kraft. Ronsdorfer Bücherstube, Staasstraße 11 , 42369 Wuppertal Telefon : 0202 / 246 16 03 Fax : 0202 / 246 16 04 |