Tip des vorherigen MonatsChronologische Liste der RezensionenTip des folgenden Monats
 

Tip des Monats August 2005

David Foenkinos
Das erotische Potential meiner Frau

Beck Verlag
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Christian
Oelemann
 
 
gebundenes Buch
 
 
 
 


Der Liebesroman als literarischer Slapstick – das ist doch wirklich mal etwas Neues! Damit Sie im August nicht nur etwas zu lieben sondern auch zu lachen haben, beschert uns der Beck-Verlag das in Frankreich bereits mit dem Prix Roger ausgezeichnete neue Buch von David Foenkinos mit einem herrlich frischlilafarbenen Umschlag, der manchen nichts, anderen bereits fast alles verrät: „Das erotische Potential meiner Frau“ .
Ein französischer Kritiker nannte die brillanten Einfälle des 31jährigen Autors .Albernheiten auf hohem Nivea“. In der Tendenz stimme ich zu, möchte aber betonen: Das ist untertrieben. Foenkinos Ideen sprühen nur so vor Intelligenz und Witz, sein lakonischer Erzählstil ist Genuss für jeden, der es hinter den Ohren faustdicke hat.
Im Grunde ist es nicht fair, ein paar Einzelheiten herauszupicken, denn das schmale Bändchen besticht durch seine kompositorische Geschlossenheit. Dennoch, liebe Leser der buchkultur.de, Sie möchten gewiss - gerade bei einem so eindeutig zweideutigen Titel – erfahren, worum es geht. Na dann:
Hector und Brigitte lernen sich in der Bibliothek kennen. Beide suchen nach Informationen über die USA, weil sie - jeder für sich natürlich - ihren Lieben daheim eine USA-Reise vorgeschwindelt haben, von der sie nun erzählen müssen. Das verbindet, die beiden Schwindler lernen sich lieben, heiraten und gründen ein Reisebüro für krankhafte Reisevortäuscher. Genügt das? Nicht? Also mehr:
Hectors Sammelleidenschaft ist pathologisch. Sie treibt ihn zu einem virtuos gescheiterten Selbstmordversuch in der Metro. Die Liebe zu Brigitte heilt ihn von dieser Qual, er wird in den Verein der krankhaften Sammler aufgenommen und mutiert zum krankhaften Nicht-Sammler. Eines Tages entdeckt er, wie verführerisch seine Frau auf ihn wirkt, wenn sie auf der Leiter steht und die Fenster putzt …

Das aber muss jetzt reichen, denn lesen sollten Sie selbst! Jede Person der Geschichte hat seinen eigenen kleinen (liebenswerten) Haken: Hectors Mutter kocht nur Suppen, und das auch noch mittelmäßig. Seine Schwägerin ist eine verhinderte Nymphomanin, sein Schwager ein Ex-Spitzensportler mit gefälschter Vita.
Wie schön, dass die Liebesgeschichte gut ausgeht! Das Paar erlebt ein im eingetretenen Umfang nicht planbares Kinderglück. Und Sie erleben, dafür stehe ich ein, ein im Umfang durchaus planbares Leseglück.


Ronsdorfer Bücherstube, Staasstraße 11 , 42369 Wuppertal 
Telefon : 0202 / 246 16 03 
Fax : 0202 / 246 16 04