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Tip des Monats September 2005

Mareike Krügel
Die Tochter meines Vaters

Schöffling Verlag
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Christian
Oelemann
 
 
gebundenes Buch
 
 
 
 


Aufgepasst, ein neuer Stern ist über Lesedeutschland aufgegangen, und ich hoffe, die besten Übersetzer sind bereits fleißig, um Mareike Krügel auch international bekannt zu machen. Die noch ziemlich junge Schriftstellerin hat mit „Die Tochter meines Vaters“ soeben ihren zweiten – ich behaupte grandiosen- Roman herausgebracht, für den sie den Förderpreis der Stadt Hamburg bekam. Danke, Hamburg! Ich bin sicher, es werden weitere Preise folgen.

In dieser Geschichte stimmt einfach alles, sie ist intelligent komponiert, bietet uns eine souveräne, stets pointierte Sprache an, sie ist ungemein komisch und hinterlässt dennoch einen Hauch von Traurigkeit, denn es wird reichlich bestattet – nicht nur Menschen sondern auch große Gefühle.

Worum es geht? Nun, die Klappentexte verraten meiner Meinung oft zu viel, ich möchte da vorsichtiger sein. Um eine Tochter geht es natürlich, deren Vater Inhaber eines Sargladens in Kleinulsby ist.
Schon sehr früh lernt Felizia alles über Trostgespräche mit Hinterbliebenen, und nichts ersehnt sich Herr Lauritzen mehr, als eines Tages seine „Felix“ zur Nachfolgerin zu machen. Eine Bürde, der sie gern mit ihrem Freund Gunnar entflieht, indem sie auf Mauern und Berge klettert. Das ist die eine Erzählebene - Kindheit.
Die andere stellt die bereits erwachsene Felizia vor, die sich mit Tarotkarten ihren Unterhalt verdient, gelegentlichen Sex mit Männern hat, die ihr nichts bedeuten und die endlich die große Liebe finden möchte. Es muss aber einer sein, der Cary Grant ähnelt, und bald scheint er sogar gefunden. Beim Ausspionieren seiner Lebensumstände ist ihr die einst mit Gunnar trainierte Fassadenkletterei hilfreich. Unterstützende Beratung erhält „Felix“ von der dreizehnjährigen Nachbarstochter Randi, zu der sie ein freundschaftliches Verhältnis pflegt. Randi weiß dank einschlägiger Lektüre alles über die Liebe.

Das soll reichen. Ich wünsche mir für Mareike Krügels Buch schon jetzt, im September, Schnee, aus dem man Bälle formen kann, die zu Lawinen werden. Dazu brauche ich Sie!
Wenn Sie meine Begeisterung teilen – und daran zweifle ich nicht eine Sekunde - , sollten Sie „Die Tochter meines Vaters“ jedem, der Ihnen am Herzen liegt, zum Geschenk machen, auf dass er ebenso verfahre. Und wenn Sie zum Schenken einen Anlass brauchen, aber keinen finden, denken Sie bitte daran, dass Weihnachten nicht mehr gar so weit und Harry Potter 6 nicht gerade eine Neuentdeckung ist.
Es müssen übrigens nicht unbedingt Bestatter oder Väter sein, auch nicht zwingend Töchter oder Cary Grant-Fans, die Sie mit Mareike Krügel begeistern. Nur eines sollten die Empfänger Ihres Geschenks aufweisen: Lust auf Lesegenuss. Den wünsche ich zunächst einmal Ihnen!



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