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Tip des Monats Oktober 2005

Joey Goebel
Vincent

Diogenes
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Christian
Oelemann
 
 
gebundenes Buch
 
 
 
 


Joey Goebel, liebe Freunde der Buchkultur.de! „Vincent“! Schon wieder ein außergewöhnlich guter Roman eines Mittzwanzigers! Wenn das so weiter geht, brauchen wir uns um den literarischen Nachwuchs keine Sorgen zu machen.

„Vincent“ ist eine bitterböse Satire auf den Unterhaltungsbetrieb, ein einfühlsamer Entwicklungsroman und am Ende ein spannender Thriller. Kommerzfernsehen und Dudelfunk, ideenlose Popmusik und Retorten-Stars: Joey Goebel wuchert mit vollem Pfunde, um gegen die geisttötenden Produkte der weltweiten Medienindustrie zu polemisieren. Meist weiß man, oft ahnt man, welchen realen Personen seine boshaften Anspielungen gelten. Goebel kennt den Betrieb bestens und hat sicherlich bei seiner Geschichte über einen talentierten Jungkünstler auch auf eigene Erfahrungen zurückgegriffen. Immerhin schrieb er schon mit fünf Jahren, wandte sich dann der Musik (dem Rock und Punk) zu, nahm Platten auf und tourte jahrelang mit seinen Bands. Ein Englischlehrer am College, der es gut mit Goebel meinte, brachte ihn zur Literatur zurück. Sein erster Roman, "Die Anomalien", wurde 2003 von den Kritikern hoch gelobt, ist aber in Deutschland nicht mehr erhältlich. Ich kenne ihn nicht, aber ich kenne "Vincent" , und mag „Anomalien“ bereits beeindruckend gewesen sein, das neue Werk begeistert mich – und hoffentlich auch Sie. Worum geht es?
Der Medienmogul Foster Lipowitz hat sein Leben lang Amerika mit seichter Unterhaltungsware überschwemmt. Jetzt ist er todkrank, und ihn plagt nun das schlechte Gewissen. Er gründet eine Schule für hochtalentierte Kinder, die das Schreiben von niveauvollen Popsongs und Drehbüchern erlernen. Das Perfide: Lipowitz glaubt an die These, dass wahre Kunst nur durch Kummer entsteht. Sein begabtester Student ist Vincent, Sohn einer drogenabhängigen Prostituierten. Ihm stellt Lipowitz Harlan als „Schutzengel“ zur Seite. Harlan, ein ehemaliger Musiker, ist der Ich-Erzähler. Damit Vincent auch ordentlich leidet, greift Harlan, denn Vincent für seinen Freund hält, immer dann ein, wenn der junge „Gefahr läuft“, glücklich zu sein. Harlan vergiftet Vincents Hund, brennt sein Elternhaus ab, und immer, wenn dem Jungen ein nettes Mädchen zu nahe kommt und die Schaffenskraft bedroht, hat Harlan miese Tricks parat. So bleibt das junge Genie einsam und unglücklich. Doch irgendwann will auch Harlan, der dem Leser beinahe leid tut, weil er so miese im Grunde nicht ist,
das üble Spiel nicht mehr mitspielen. 

Viel Spannung und großen Genuss wünscht Ihnen
Christian Oelemann 
 


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