![]() |
Tip
des Monats November 2005
Steffen Mensching |
||||||||||||||
|
… und sollte der November tatsächlich die Eigenschaften, die man ihm gemeiniglich nachsagt, an seine Tage legen, weiß ich höchst amüsanten Trost: Steffen Mensching hat soeben im Aufbau-Verlag sein neues Buch herausgebracht. „Lustigs Flucht“ heißt es. Donnerlotte! Wohin flieht Dr. Ernst Lustig, vierundvierzig Jahre alt und geschieden, erfolgloser Literaturhistoriker und inbrünstiger Fan von Friedrich Schiller, dessen Biografie er endlich fertig stellen muss, weil ihm seine Lektorin im Nacken sitzt? In die Hinterhofwohnung eines Bekannten, der für einige Monate in Schweden weilt. Dort soll ihm sein Buch endlich gelingen, doch das ist naturgemäß nicht der Fall – im Gegenteil: Lustig veranstaltet ein „digitales Autodafé“, um ganz neu zu beginnen. Er ist schon ein Spinner, dieser Ernst Lustig, keine Frage. Erfindet einen neuen Kalender, pflegt eine Schiller-Straßen-Sammlung (SSS), rasiert sich in einem Anfall von Übermut sämtliche Haare vom Körper, um hernach wie ein aufgequollener Skinhead auszusehen. Seine Schwestern und seine Lektorin erreichen ihn per Mail, fordern ihn auf, in die Gemeinschaft zurückzukehren, doch Lustig verweigert sich, behauptet, er sei überhaupt nicht mehr in Berlin, vielmehr weit weg. Ausgerechnet er, der Fernreisen per Flugzeug stets kategorisch abgelehnt hat, sei nach Vietnam geflogen. Was er dort treibe, drängt die Verwandtschaft, und statt sein Schillerbuch zu vollenden, erfindet Lustig in seiner inneren Emigration ein komplettes Tourprogramm. »Die Bucht von Halong, Unesco-Kulturerbe, war zwei Autostunden von Hanoi entfernt. Kreidefelsen im Meer. Ich kannte circa zwanzig Fotos und Schilderungen von Sonnenuntergängen ... « Immer tiefer vergräbt sich der arme Kerl in seine vorgetäuschte Flucht, immer stärker vermischt er erfundenes und wirkliches Leben, und als er irgendwann doch wieder unter Leute geht, kommt es zwangsläufig zur „Katastrophe“ …Steffen Menschings neues Werk hat etwas von Don Quichotte, aber auch von Raymond Chandlers ironischen Kriminalromanen. Sein Humor, nicht gerade eine deutsche Tugend, zeichnet den brillanten Stilisten ebenso aus wie seine Intelligenz. Steffen Mensching ist übrigens nicht nur Romancier. Man kann ihn ebenfalls als Kleinkünstler mit eigenem Kabarett-Programm auf der Bühne erleben. Auch in diesem Genre soll er, schreibt die Presse, enorm gut sein. Als Autor von „Lustigs Flucht“ hat er mich begeistert – jetzt sind Sie dran! Ronsdorfer Bücherstube, Staasstraße 11 , 42369 Wuppertal Telefon : 0202 / 246 16 03 Fax : 0202 / 246 16 04 |