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Tip
des Monats August 2006
Peter Stamm |
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Peter Stamm gehört seit Jahren zum Besten, was die deutsche Literatur hervorbringt – darin bin ich mit den Rezensenten der großen Feuilletons einer Meinung. Erscheint ein neuer Stamm, suchen mich gleich mehrere Gefühle heim. Zunächst gewiss Neugierde und Vorfreude. Dann aber auch – ich gebe es zu – Bangigkeit. Wird es dem Meister aus der Schweiz wirklich wieder gelungen sein, mich mit seinem neuen Werk zu bereichern, mich zu begeistern gar? Da hilft nur eines: Lesen! Ich überrasche Sie gewiss nicht; wie es ausgegangen ist, ahnen Sie längst: Es gilt Peter Stamms neuer Roman „An einem Tag wie diesem“ zu feiern, und ich möchte Sie von ganzem Herzen dazu einladen. Andreas, ein mittvierziger Schweizer, der seit beinahe zwanzig Jahren in Paris lebt und sein Dasein als Deutschlehrer fristet, denkt nicht darüber nach, ob er eigentlich glücklich oder unglücklich ist. Sein Leben fährt wie eine Bahn auf Schienen, alles bleibt gleich, keine unvorhergesehenen Abbiegemanöver sorgen für Aufregung. Aber dann. Ausgerechnet die dümmliche Lektüre „Liebe ohne Grenzen“, die er bald seinen Schülern vorsetzen wird, kitzelt eine lange zurückliegende Erinnerung wach: Seine erste Liebe, Fabienne mit Namen. Fabienne, die wahrscheinlich zu keiner Zeit wusste, wie sehr er sie liebte. Nach einer Routinebehandlung droht Andreas die Diagnose Lungenkrebs, doch er holt sich den Befund gar nicht erst ab. Stattdessen macht er sich auf zu Fabienne, um sich eine ihm wichtigere Gewissheit zu beschaffen: ihre und seine Gefühle füreinander. Andreas kündigt seine Lehrerstelle, verkauft seine Eigentumswohnung und macht sich auf die Reise. Peter Stamms Kunst besteht darin, dass er mit Kleinigkeiten hervorragend umgehen kann. Hie ein Detail, dort eine Empfindung – dann reiht er Beobachtung an Beobachtung, ohne den Anspruch auf Bedeutsamkeit zu erheben. Andreas Seelenleben schildert Stamm nicht mit emotionalem Gebrüll - seine Prosa bleibt leise, nachsichtig, selbst angesichts von Liebe und Tod nicht ohne Heiterkeit und stets bescheiden. Große Literatur! Und das Schöne an Peter Stamms Romanen und Erzählungen ist: Sie sind nicht für die Literaturwissenschaft gedacht sondern für Leser. Ronsdorfer Bücherstube, Staasstraße 11 , 42369 Wuppertal Telefon : 0202 / 246 16 03 Fax : 0202 / 246 16 04 |