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Tip des Monats November 2006

Helmut Dubiel
Tief im Hirn

Antje Kunstmann
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Christian
Oelemann
 
 
gebundenes Buch
 
 
 
 


Was? Ausgerechnet im traurigen Monat November, in dem die Tage trüber werden, ein Buch über Parkinson, die noch immer unheilbare Krankheit? Zieht uns das denn nicht runter?
Im Gegenteil!
„Tief im Hirn“ lässt uns ein Licht aufgehen, das wir alle – ganz sicher – eines dunklen Tages nötig haben werden, so oder so.
Helmut Dubiel lehrt in Gießen Soziologie. Seit dreizehn Jahren – damals war er 46 -  leidet er an Parkinson. In seinem Kopf sitzt ein Hirnschrittmacher, also eine Sonde, die er mit einer Fernbedienung steuert. Er kann wählen zwischen:  Eher sprechen oder eher gehen.
Wir haben es mit großer Literatur zu tun, niedergeschrieben von einem hochintelligenten Mann, dessen größter Reichtum Sprachvirtuosität ist. 

Dubiels Umgang mit  „seinem Parkinson“ wirkt geradezu nüchtern– an einigen Stellen durchaus brüllend komisch. Sogar Szenen aus OP-Sälen und aus Reha-Kliniken, wenngleich harter Tobak, eignen sich nicht zu Selbstmitleid und Mitweinen. Dubiels Formulierungen sind scharfe Messer, und bekanntlich verletzt man sich eher an stumpfen.

Was mich an diesem wunderbaren Buch am meisten bewegt, ist die luzide Beschreibung der seelischen Folgen von Krankheit – die unausweichlichen Veränderungen im sozialen Umfeld des Betroffenen. Dubiel kommt dabei ohne Schuldzuweisungen aus. Vielmehr erklärt er vortrefflich, wie Gesunde und Kranke, oft entgegen ihrem eigenen Willen, die Gräben ausheben, die sie in der Folge trennen werden.
Wie human ist eigentlich unsere Gesellschaft, die sich weigert, das Leiden anzunehmen?

Ich verspreche Ihnen die Lektüre eines schier unglaublichen Buchs. Herzlichen Dank dem Antje-Kunstmann Verlag, herzlichen Dank an den Autor Helmut Dubiel!
Ihnen schulden wir Aufmerksamkeit  für einen Text, der weit mehr als eine Krankheitsbeschreibung ist.  „Tief im Hirn“ möchte ich als lieber als unterhaltsamen , philosophischen, ,in jedem Falle brillanten  Essay über die Frage nach dem Heilsversprechen des medizinischen Fortschritts bezeichnen. Er zieht uns nicht runter, er baut uns im Gegenteil auf.

Lesen Sie „Tief im Hirn“! Leihen Sie das Buch ihren Freunden, oder besser noch: Schenken Sie es ihnen!



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