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Tip des Monats Februar 2008

Martin Suter
Der letzte Weynfeldt

Diogenes Verlag
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Christian
Oelemann
 
 
gebundenes Buch
 
 
 
 


Adrian Weynfeldt, Mitte fünfzig, Junggeselle und  Millionär, liebt die Malerei, doch mangels Talent reichte es nur zum Studium der Kunstgeschichte und zum Handel mit Kunst, als Experte bei einem internationalen Auktionshaus; Adrian lebt in einer riesigen Traumwohnung im Stadtzentrum. Regelmäßigkeit, ständige Wiederholung, bringt – davon ist er überzeugt - die Zeit zum Stillstand. Adrian Weynfeldt hat sich und sein stilles Leben sehr gut unter Kontrolle. Doch plötzlich fallen ihm, der sich ewig vorwirft, Daphne, die einzige Liebe seines bisherigen Lebens, nicht halten zu können, als sie gehen wollte, gleich zwei Damen in den Schoß. Die eine ist sehr real und schön, heißt Lorena und droht gleich am Anfang des Romans von Weynfeldts Balkon zu springen. Sie scheint Daphne enorm zu gleichen. Weynfeldt verfällt ihr, sie macht ihn für sich verantwortlich, nutzt ihn finanziell aus, wie auch viele andere seiner vermeintlichen Freunde ihn ausnutzen; er unterstützt sie immer wieder mit Geld, das er vor allem gibt, weil er nicht als überheblich und knauserig gelten will. Lorena überspannt den Bogen jedoch.
Die andere Dame sitzt nackt vor einem Salamander genannten Ofen und ist mindestens zwei Millionen Franken wert. Sie stammt von Félix Valloton. Adrian, der gelernt hat die Welt durch Bilder zu sehen, soll die "Femme nue devant une salamandre" von 1900 für einen Freund, der ein eher libidonöses Verhältnis zu dem Akt hat, verkaufen. Zwischen diesen beiden - nicht ganz echten Frauen spinnt und spannt Martin Suter über seine Hauptfigur ein höchst witzigesund elegantes Netz um Kunstmarkt, Kunst und Lebenskunst, Authentizität und Fälschung und so seltsam altmodischen Werten wie Korrektheit und Verantwortung. Doch durch Lorena gerät sein bislang perfekt geregeltes Leben miteins aus den Fugen – bis er schließlich merkt, dass auf niemanden Verlass ist, nicht mal auf ihn selbst.
Martin Suters neuer Roman ist ein Glücksfall! Er hat einen wunderbar leichten Ton, mit viel Sinn für Ironie schafft der Schweizer Autor, der ein immens guter Erzähler ist, (zum dritten Mal unser Tipp des Monats ) einen ausgesprochen ungewöhnlichen „Helden“. 
Viel Spaß beim Lesen.



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