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Tip
des Monats März 2009
Bodo Kirchhoff |
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Ein neuer Roman Bodo Kirchhoffs ist immer eine spannende, vergnügliche Angelegenheit, und schon mehrere Male wurde bei www.buchkultur.de ein Tipp des Monats daraus, zuletzt Schundroman, jene wunderbare Persiflage auf den Literaturbetrieb in Deutschland, und auch Erinnerungen an meinen Porsche, Kirchhoffs neues Buch, handelt wieder vom Schreiben und von Lese- bzw. Kaufgewohnheiten des Publikums; es wäre ohne den Erfolg von Charlotte Roche, die seit Monaten die Bestsellerlisten mit ihren Feuchtgebieten sprengt, nicht denkbar. Und in Sachen Unanständigkeit, um ein in diesem Zusammenhang antiquiertes Wort zu benutzen, kann es Kirchhoff mit Frau Roche , die in seiner Geschichte als Patientin des Waldhofs vorkommt, jener sicher nicht zufällig an Manns Berghof im Zauberberg erinnernde Privatklinik. Im Waldhof lernt Daniel Deserno, 39, bis vor kurzem Investmentbanker, die Erfolgsautorin, die hier Helene heißt, kennen. Was aber ist zuvor geschehen? Daniels Freundin Selma hat mit einem Korkenzieher seinen Porsche ruiniert, genau zu dem Zeitpunkt, als das, was jetzt schlicht Bankenkrise genannt wird, seinen vorhersehbaren Ausgang bzw. Anfang nimmt. Porsche bedeutet bei Kirchhoff bzw. Deserno allerdings mehr als nur ein kostspieliges Auto, das Daniel sich leisten kann, es bedeutet noch mehr des Mannes sogenanntes bestes Stück. Vor lauter Psycho-Frust hat Daniel auch noch das Laufen eingestellt. Im Waldhof frönt er im Rollstuhl ( ebenfalls ein Porsche) mit anderen depressiven Prominenten der eleganten Miesmacherei, und das tut er in einer hinreissend komischen Sprache, deren Kunstfertigkeit an Virtuosität grenzt. Erst das Auftauchen der jungen „Hämorriden“- Autorin „Helene“ bringt ihn wieder in Schwung und beendet die Hängepartie. Als allerdings auch noch Daniels Alt-68er Mama benebst Attentäterin Selma zur Lesung eines berühmten Autors in die Klinik kommen, wird es richtig turbulent. Kirchhoff nutzt nicht etwa die Gunst der Stunde, um mit seinem Porsche-Buch die Finazkrise zu verwursten, nein, er weiß genau, wovon er schreibt, vermittelt seinen Lesern präzise Kenntnisse. Am Ende wird eines klar: wir haben ein hoch-vergnügliches Buch gelesen und wissen jetzt, dass alles so kommen musste, wie es kam. Viel Freude wünsche ich bei diesem höchst unanständigen Roman!!! |