rezensiert
von
Christian
Oelemann

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Schon die wunderbaren Romane „Johannisfeuer“ und „Melnitz“ begeisterten uns dermaßen, dass wir sie zu Tipps des Monats kürten. Charles Lewinsky ist schlicht ein wunderbarer Autor, ein unglaublich versierter Erzähler, ein Sprachmagier! Einen neuen Beweis für seine schriftstellerische Einzigartigkeit liefert Lewinsky nun mit seinem bei Nagel & Kimche erschienenen, schmucken Bändchen „Zehnundeine Nacht“. Nicht zufällig erinnert der Titel an die Rahmenhandlung jener Geschichten, in der Scheherazade um ihr Leben erzählt.
In Lewinskys neuem Werk geht es allerdings nicht um Leben und Tod, auch muss kein Sultan bei Laune gehalten werden sondern alter, selbstverliebter Ganove, der einer der wenigen Stammkunden einer in die Jahre kommenden Prostituierten ist, die von ihren amourösen Künsten mittlerweile nicht mehr existieren könnte. Wohl aber beherrscht sie etwas, um das wir sie beneiden können: Nacht für Nacht improvisiert sie für ihren „König“ ( so lässt sich der Gauner von ihr nennen, während er etwas ironisch „Prinzessin“ zu ihr sagt) Geschichten, die ihm auf vergnügliche Weise die Zeit vertreiben und manchmal auch die nötige Bettschwere bescheren. Verlauf und Ende dieser Geschichten ergeben sich spontan, häufig sind sie Resultat der Zwischenbemerkungen, die der König sich nicht verkneifen kann und die für uns Leser eine enorme Komik besitzen. Geradezu virtuos setzt die Prinzessin Einwürfe, aber auch Proteste ihres lüsternen Kunden in erzählerische Lösungen um. Augenzwinkernd werden wir Leser zu Zeugen der Lewinskyschen Technik. Es ist, als sähe man der Literatur gewissermaßen unter die Röcke.
Zehnundeine Nacht ist ein leichtes, aber beileibe nicht anspruchsloses Lesevergnügen, das ich Ihnen aus tiefer Überzeugung ans Herz legen möchte!
Lewinkys Humor und Sprache erinnern mich durchaus an die „Lieblosen Legenden“ eines Wolfgang Hildesheimer, und ebenso eignet sich „Zehnundeine Nacht“ hervorragend als kleines Geschenk, wenn Sie auf der Suche nach etwas sein sollten, womit Sie rundum Freude bereiten können.
Einfach wunderbar!
Ronsdorfer
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