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Tip des Monats Juli 2009

David Lodge
Wo bitte?

Blessing
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Christian
Oelemann
 
 
gebundenes Buch
 
 
 
 


Wie bitte? Sie kennen David Lodge nicht? Unser erster Tipp des Monats stammt aus dem Jahr 1997 und pries einen ungemein witzigen Roman des englischen Schriftstellers David Lodge, „Saubere Arbeit“. Jetzt, 12 Jahre später, möchte ich wieder ein Buch dieses famosen Autors den Freunden der www.buchkultur.de ans Herz legen: „Wie bitte?“ Der emeritierte Linguistikprofessor Desmond Bates kämpft, wie sein Erfinder, seit Geraumem mit Schwerhörigkeit;  ohne falsche Scham erzählt Lodge, mal in der Ich-Perspektive, mal auktorial von den vielen Missverständnissen, die einem Ertaubenden im Alltag widerfahren.
Das hat durchaus Komik, ist aber ein sensibles Thema, das Lodge zu keiner Zeit verharmlost oder bagatellisiert.
Dass es zu einem Beinahe-Ehebruch am Ende doch nicht kommt, verdanken wir der Lebensklugheit eines weltgewandten Mannes, der gut eine Kreation John Updike`s sein könnte. Immer unter der Prämisse des Nicht-Verstehens ist von Bates`Ehe die Rede, sehr feinfühlig aber auch von Desmonds Beziehung zu seinem dementen, alten Vater. Ein Kapitel, das mich besonders bewegt hat, schildert einen Auschwitz-Besuchs des Professors, vor allem aber dessen nachhaltige Wirkung auf ihn, der sich nur hat breitschlagen lassen und sich auf die Schatten der Geschichte zunächst nur widerwillig einlässt, dann aber Überlegungen dazu anstellt, die mich begeistern. (Ich habe mir die betreffenden Passagen herausgeschrieben.) Glänzende Übersetzungsarbeit hat bei diesem Werk Renate Orth-Guttmann geleistet, vor der ich meinen Hut ziehe.
„Wie bitte?“ ist kein ganz leicht zu lesendes Buch. Sprachlich erhebt es einigen Anspruch ; auch rechnet Lodge eindeutig mit einer passablen Allgemeinbildung seiner Leser. Wer auf heile Welt angewiesen ist, sollte diesen Roman trotz seines gelungenen Covers nicht zur Hand nehmen.
Wem aber klar ist, dass wir alle älter werden und mit zunehmendem Alter anfälliger für körperliche Insuffizienzen, wer solche Tatsachen dann auch noch akzeptiert, der wird mit diesem Roman seine helle Freude haben. Und keine Sorge: trotz des eher ernsten Duktus bietet Wie bitte nicht wenige hinreißend komische Szenen, an die man sich lange nach Beendigung der Lektüre noch erinnern wird!


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