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Tip des Monats Dezember 2009

Stefan Moster
Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels

Mare Verlag
Preis & Buchdaten

rezensiert
von

Christian
Oelemann
 
 
gebundenes Buch
 
 
 
 


Für den letzten Monatstipp des Jahres 2009 haben wir uns wahrlich den literarischen Höhepunkt aufgehoben; noch selten herrschte in der Ronsdorfer Bücherstube  solche Einigkeit über die Güte eines Romans; unsere Begeisterung ist so groß, dass wir Stefan Moster, den Autor unseres Lieblingsbuches, eingeladen haben, bei uns zu lesen, und wir haben seine Zusage für den Anfang des kommenden Februars. Freuen Sie sich mit uns! „Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels“ heißt das Werk, das im Mare-Verlag erschien, und das ich Ihnen jetzt ans Herz lege.
Der Klappentext verrät, dass Mutter und Sohn vor Monaten im Streit (das vierhändige Spiel von Schuberts f moll-Fantasie) auseinandergingen; sie beide ahnen nicht, dass sich der jeweils Andere an Bord desselben Kreuzfahrtschiffs  befindet: Almut als Psychologin, die sich um das Seelenheil der Passagiere kümmert, Sebastian als Barpianist.
Ob sie sich auf diesem Moloch überhaupt begegnen werden, ist allerdings nicht die entscheidende Frage. Im Vorfeld ereignen sich spektakuläre Vorfälle, die Moster in einer Kunstfertigkeit entwickelt, die meinen größten Respekt verlangt. Wann las ich zuletzt Sprache auf so hohem Niveau?
Während Sebastian sich in eine Crew-Kollegin verliebt und Anteil am Schicksal blinder Passagiere nimmt, erhält Almut Einblick in verkorkste Ehen und wird mit ihrer DDR-Vergangenheit konfrontiert, denn Gaus, der Personalmanger des Luxusliners, ihr Chef also, ist ein Ex-Stasi-Mann, der ihr Avancen macht. Täglich findet sich der mal freundliche, mal fordernde Schönling bei Almut zur Musikstunde ein, die er oft dazu nutzt zu dozieren. Kapitelweise alternierend lässt Stefan Moster Mutter und Sohn erzählen und trifft dabei exakt den Ton der knapp Fünfzigjährigen wie auch des Zwanzigjährigen. Es geht in diesem Wunderwerk der Erzählkunst jedoch nicht ausschließlich um die Schilderung einer symbiotischen Beziehung, die ausgerechnet bei Schuberts Fantasie platzt, jenem Werk, von dem Sebastian behauptet, es sei ein Stück für Liebende. Es geht auch nicht wesentlich um deutsche Geschichte, obwohl der Leser aus einigen Geschichten in der Geschichte herauslesen kann, wie gebildet Stefan Moster sein muss, weiß er doch als Mainzer, der heute in Finnland lebt, hervorragend Bescheid über das Leben in der DDR.
Almut, deren Ehe mit Sebastians Vater in Leipzig noch vor dem Mauerfall zerbricht, geht mit dem damals vierjährigen Sohn in den Westen, nach Mainz, um dort beim Diakonischen Werk zu arbeiten. Sie verfolgt mit Freude das Heranwachsen ihres musikbesessenen Kindes, das es allmählich zu einiger pianistischer Meisterschaft bringt. Sebastian ist praktisch durch und durch ein Wessi, im Gegensatz zu Almut, deren ganze Gewordenheit mit Leipzig verbunden ist. Um all das geht es, aber viel mehr noch geht es um Einsamkeit und Sehnsucht, Vertrauen und Verrat, es geht immer wieder um Liebe und letztendlich dann doch um…

Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels.


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