rezensiert
von
Susanna
Erb

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Ein Titel, der es in sich hat! Der Bewegung andeutet. Der Spannung verspricht. Eine Kausalbestimmung: Durante.
Ein typischer Andrea de Carlo: aufrüttelnd, bewegend, irritierend, provozierend, faszinierend!
De Carlo liebt es, Beziehungen unter die Lupe zu nehmen, sie auf den Prüfstand zu stellen, Gefühle zu fokussieren, das Wesen der Liebe zu enthüllen, Menschen zu entlarven, die Kompromisse mit dem Glück geschlossen haben.
In diesem Roman schickt er Durante aus, die Menschen zu verwirren.
Durante!
Ein Globetrotter? Ein Guru? Ein Schamane? Ein Pferdeflüsterer? Ein Heiliger?
Sein Markenzeichen: Authentizität!
Lassen Sie sich überraschen!
Astrid und Pietro haben sich (so wie auch andere Zeitgenossen) in den Hügeln östlich des Apennins ein alternatives Leben eingerichtet. Als "Aussteiger" betreiben sie eine kleine Weberei. In ihrer symbiotischen Beziehung, die Privat- und Berufsleben ineinanderwebt, verdienen sie sich ihren Lebensunterhalt. Ihr Leben hat gewohnheitsbedingt den Status der Gleichförmigkeit angenommen, den Status einer auf Liebe und Gewöhnung ruhenden Sicherheit.
Eines tages taucht Durante im Val del Poggio auf.
Schon sein erster überraschender Auftritt bei Astrid und Pietro an einem heißen Maitag vermag es, diese Sicherheit zu erschüttern.
Durante, der bloß nach einem Weg fragt, bringt nicht nur den kläffenden Hofhund zum Schweigen, sondern auch Astrids Loyalität zu Pietro.
Pietro (der Ich-Erzähler der Geschichte), empört und enttäuscht und verletzt, versucht zu verstehen, was geschehen ist, was seine Freundin Astrid so "fremdgesteuert" hat. Von Stund an ist nichts mehr wie es war.
Durante zieht seine Spuren durch das Tal. Auch dort, wo er sich vorübergehend niederläßt, als Reitlehrer auf einem benachbarten Hof mit Hotel und Reitstall, reagieren die Frauen ähnlich.
Er fragt, er hinterfragt, er bricht Gefühlsbarrieren auf, er konfrontiert sein Gegenüber rücksichtslos mit seinen Wahrnehmungen und Wahrheiten, er offenbart Lebensweisheiten und er verkörpert die totale Gelassenheit und Unabhängigkeit.
Die Männer dieses Tales haben ihre Frauen demnach scheinbar nie so ernst und so wichtig genommen, haben sie nie so geachtet.
Das bekommen sie nun zu spüren und sie reagieren ihrerseits mit Eifersucht und Autoritätsgehabe, hoffend, ihre Frauen zurückzugewinnen.
Doch weit gefehlt: im Falle Astrid und Pietro werden nach und nach die Karten aufgedeckt.
Ein Besuch von Astrids Schwester Ingrid stürzt Pietro in ein ultimatives Gefühlschaos.
Alles gerät aus der Balance und Durante ist schuld! Er ist für alles verantwortlich.
Nach diesem emotionalen Wettereinbruch allein gelassen, begibt sich Pietro später noch einmal in die Konfrontation mit Durante. Er nimmt ihn nolens volens mit auf seiner Reise nach Österreich, in Astrids Heimat und zu Astrid, die vorgereist ist.
Und diesmal verfällt er selbst Durantes "exotischem Virus" und plötzlich werden die Rollen getauscht und Durante wird zum Zielgeber der Reise und führt ihn zu Stationen und Bruchstücken seines Lebens und zu völlig unerwarteten Erlebnissen und Einsichten und letztlich auch ein Stück näher zu sich selbst.
Ganz mühelos und sprachelegant läßt De Carlo seinen geheimnisvollen Durante zaubern, bis ins Universum des Lesers hinein.
Unmerklich werden alle Register der emotionalen Bandbreite gezogen, denn so ein Durante: der hat was!
Ronsdorfer
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